sie ver
ber
hr- ich
fli- 1de ‚er- ig- los
eie nes
star
um die ben
ZWÖLF UHR 211
Hier wird das aufwühlende Ereignis in allen möglichen Sprachen und Stimmungsgraden besprochen, berufen, be- schrien, besungen und mit Tee begossen. Daneben wird dem Limburger Käse zugesprochen, der zum, Vesper ausgeteilt worden ist, und dessen Winzigkeit der festlichen Gelegen-
“heit keineswegs angemessen ist.„Vor Freude sind mir die Tränen gekommen“, bekennt unumwunden ein sentimentales
Gemüt:„Schäm dich ihrer nicht, sie sind wohl geweint“, bestärkt ihn ein anderer.„Die Freud’ wär überstanda“, läßt sich ein dritter hören, der Legionär aus Stuttgart .
Ich eile auf die Gasse und höre, es seien doch Ameri- kaner, nein Engländer!— nun, mag es sein, wer es will: Wir sind frei!
Und es waren doch Amerikaner! Sie haben auch Tote—
für uns!
Auf Block 6, dem Russenblock, weht die erste rotweiße Fahne. Woher sie nur das fortschrittliche Tuch bezogen haben? Gleich darauf bekomme ich von Hartmann, dem Laibacher Nr. ı, die ersten Glückwünsche, als ob ich es wäre, der’s geschafft:„Ich gratuliere!“ Ich weiß in des Augenblicks Drängen nichts Gescheiteres zu erwidern als: „Ich auch!“
Horch! Wieder Geböller,‘ woher? Immer neue Freuden- schreie aus der Gegend des Westturms. Ich muß doch selber nachsehen, was es gibt.
Bei den Slawen sind die Außerungen der Begeisterung besonders lebhaft. Die ersten Küsse werden im Vorraum des 10. Blocks getauscht; ganz zufällig werden ein paar Schwabenaugen Zeugen dieses historischen Ereignisses. Und plötzlich fühle ich mich gleichfalls von einer unbekannten Macht in den Arm genommen, und ein Mund drückt mir einen symbolischen Kuß auf die Wange.— Swida ist’s, der Pole, was blieb mir anders übrig, als ihn aus einem von
‘Jubel überwallenden Herzen freudig zu erwidern? Also
14°


