198
FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF
Eine lange Stange, wahrhaftig, die eine kurze Gestalt mit sich führt, den Knaben Hiob mit roten Bäcklein und blauen Augen! Willkommen auf dem Block, du Mann mit dem Pilgerstab! Willkommen! Endgültig gerettet!
Nachmittags.
Die Transporte scheinen in der Tat endgültig abgeblasen zu sein. Das gibt eine gute Stimmung, die dem schlechten Regenwetter wohl standhält, das dem Wettersturz jäh folgte. Ich sitze auf einer Bank im Gang des Reviers, wo ich auf den Capo warte. Er soll mir helfen gegen die Nierenentzündung, deren Anzeichen der Arzt gestern festgestellt hat; man soll nach einer alten Kriegsregel seinen Sieg ausnützen, sonst verwandelt er sich in letzter Minute ins Gegenteil, und so will ich's versuchen, sei es, daß sie mich aufnehmen, sei es, daß sie mir Breikost verschaffen. Fritzle, des Generaldirektors Sohn, der es als 17jähriger alle Achtung! weiter gebracht hat als ich, nämlich bis zum Vertrauten des Capos, dieses Fritzle tut zwar alles, um mich abzuschrecken: zwei liegen schon in einem Bett; ob ich das wolle? Als ob's auf den Blöcken nicht noch schlimmer wäre! Und mein Freund, der Hubersepp, berichtet, daß die Diät abgeschafft sei, weil sie nichts mehr haben. Aber ich verstehe auf dem linken Ohr nicht recht und bin überhaupt ein Mensch, schwer von Begriff.
Soeben treffe ich Swida, den alten Freund aus Olims Zeiten. Ich spreche ihn an und höre allerdings bekräftigt, was ich den beiden Autoriäten nicht glauben wollte. Es gibt nur noch Einheitskost( siehe ,, V.B.", Artikel Vereinfachung), Brot von morgen aber vielleicht überhaupt nicht mehr. Doch nur ruhig Blut! tröstete Swida, der polnisch- russische Dolmetscher. Die Hauptsache ist, daß sonst alles gut steht". Wieso, was ist los?" ,, Hast du denn keine Ohren?" ,, Gewiß doch, du siehst ja, eins auf jeder Seite." ,, Also dann mach sie auf! Mehr sage ich dir nicht." Er kann
-
دو
دو


