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FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF
Blockbulle in der Nähe war, durfte er nichts
wagen. Endlich war dieser uns aus dem Gesichtskreis geschwunden. Da schlich sich der hochdeutsche Häußermann auf die Seite, ich hinter ihm her, obwohl ich die verräterischen Stimmen der Schallverstärker ins Ohr dröhnen hörte:„ Ekkehardt, dableiben! Dableiben, Ekkehardt!" Wir sahen nicht zurück, durften es nicht, wenn wir nicht Lots Weib gleich wollten zur Şalzsäule verwandelt werden. Ein paar Schritte noch, und wir hatten's geschafft. Wir verschwanden in der schützenden Bucht des Reviers. Freilich, es war zehn gegen eins zu wetten nach uralter Lagererfahrung, daß wir den maßgeblichen Mann nicht antreffen würden. Nein, er war nicht zu finden, so gut hatte er sich versteckt. Dagegen gelang es mir, den Reviercapo aufzustöbern; wie eine Erscheinung standen Seine Herrlichkeit unversehens vor mir und hatten die Gnade, anzuhören, was ich mit fliegendem Atem vorzubringen hatte.
,, Der Doktor Blacha hält's also für a Nieraentzündung?" so forschte er auf wienerisch. ,, Ja und ihr solltet mi morga früah g'nau untersuacha!" antwortete ich auf schwäbisch. Die Verbindung war hergestellt. ,, Auf da Block z'rück!" befahl er mir. ,, Ja, aber wenn der Blockäldeschde..." ,, Der hat garnix z' sag'n, sag' i hab's g'sagt...!"
Und damit war die Audienz zu Ende. Ich war gerettet. Aber mein Rucksack! Den hatte ich am Torgitter abgesetzt. Ich mußte ihn unbedingt haben; ich lief hin, mitten im Lauf wurde ich indessen gehemmt durch eines ausländischen Postens Anruf, der mich mit schußbereiter Waffe zurücktrieb. Dort stand mein Rucksack, ich konnte ihn genau erkennen, nicht viele Schritte waren es, und ich war dort, aber der Cherub mit dem bloßen hauenden Schwert behielt mich im Auge. Es war lebensgefährlich, aber ich, ich mußte ihn haben, den Rucksack, der meine Bibel enthielt, mein Heim


