FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF
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schallen ließen, das mir bis dahin unbekannt gewesen, so das aus England stammende: ,, Ich blicke voll Beugung und Staunen hinein in das Meer seiner Gnad", oder jenes andere, dessen erste Strophe mir bis heute unvergeßlich geblieben ist und mir im Lagerelend gar manchmal eine dunkle Stunde erhellt hat, wenn ich seine liebliche Weise vor mich hinsang:
,, Wie ein Vogel verscheucht
fern vom Nest ruhlos fleugt,
so verirrt ich mich, Heiland von dir. Doch du riefest so treu
an dein Herz mich aufs neu,
gabst ein seliges Willkommen mir. Wunder so groß, kostbares Los,
dir Jesu, willkommen zu sein! Nun ruh ich aus,
mein Heim, mein Zuhaus
ist, Herr, deine Liebe allein!"
Gar zu gern hätten wir es gehört, wenn uns die beiden Töchterlein mit ihren zarten Stimmen begleitet hätten; doch war der Lehrer hier unerbittlich; sie verschwanden im Nebenstüble. So blieb es bei einer Liebe zur jüngeren aus der Ferne, von der ich nicht einmal zu erfahren bekam, ob sie vielleicht von dem Mädchen ebenfalls aus der Ferne erwidert wurde.
Professor Heim erzählt einmal in einer seiner Predigten von gebildeten Leuten, die in der Inflationszeit den ganzen Tag von nichts anderem redeten und an nichts anderes dachten als ans Essen. Ich muß bekennen, daß ich im besten Zuge bin, es ihnen gleich zu tun. Der Gedanke ans Essen nimmt einen um so breiteren Raum in meinen Gedanken ein, je weniger zum Essen da ist. Das ist leider eine Tat


