Teil eines Werkes 
2 (1946) Fünf Minuten vor Zwölf : des ersten Jahrtausends letzte Tage unter Herrenmenschen und Herdenmenschen ; Dachauer Tagebücher des Häftlings Nr. 16921 / K. A. Gross
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen

FÜNF MINUTEN VOR ZWÖLF 115

hatte ich doch just am Vortage meine Aufzeichnungen aus dem Porzellan auf dem nackten. Leibe hereingeschmuggelt! Wenn sie die erwischten! Sie paßten höllisch gut auf. Es war unmöglich, unbeobachtet auf das Paketgebirge zu kler- tern und die ominöse Schachtel zu leeren. Ich befahl sie im ‚Stoßseufzer dem Hirten Israels, hatte aber noch die Geistes- gegenwart, schnell zum Bett zu eilen, wo ich etwas ganz Verdächtiges versteckt hatte: eine russische Grammatik, welche ich mir, ein gebranntes Kind, das das Feuer nicht scheute, nach dem Verlust der ersten unbußfertig in der Bücherei geholt hatte. Ich wollte mein sprachliches Bildungs- streben nicht noch einmal durch eine Ohrfeige bescheinigt sehen. Vor allem fiel mir siedendheiß ein, daß sie mir auch als diebessicherer Kassenschrank diente, denn zwischen Deckel und Schutzumschlag hatte ich meine illegalen Geld- scheine geschoben in der sicheren Erwartung, daß weder ‚die Spürnase der Langfinger noch die der Moguls sie so rasch hier aufstöbern werde. Wie üblich erspähte mich der Pharao auf meinem Pirschzug durch die sich drängenden Leibermassen, und seine Stimme suchte mich im Löwenton zurückzuhalten.Ekkehart, zurückbleiben! Aber es stand zuviel auf dem Spiel, und mein Vorhaben gelang trotz der Mißachtung der offiziellen Stimme. Draußen nahmen wir auf den ersten Blick wahr, daß auch die Nebenblöcke Licht hatten und dieselben Besucher. Sie erkletterten die Bettgestelle, lupften die Strohsäcke, beguckten mißtrauisch Papiere, warfen sie wieder weg und schleuderten alle den Hausrat, für welchen uns die Betten als allgemeine Hehl- und Schlupfwinkel dienen müssen, in weitem Flug zu Bo- den, denn sie schienen sich heute für solche Kleinigkeiten, die sonst die Sicherheit des Reiches gefährdeten, nicht zu interessieren.Sie suchen nach Waffen! flüsterte Merker. Hast du dein MG auch gut unter dem Kissen verstaut? spottete der Humoronkel. Ich atmete erleichtert auf: das

gr