DAS ERSTE WETTERLEUCHTEN
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haben? Ganz umsonst? Werde ich endlich ins Revier aufgenommen oder wie wird das Ringen zwischen dem Doktor und mir noch enden? Genehmigt er wenigstens
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die Breikost? Bleibe ich im Komplikationshauptamt oder verschafft mir der Hubersepp ein Freßkommando? Werden die Fallschirmjäger noch früher da sein und alle diese Fragen mit einem Schlage gegenstandslos machen, wie Optimisten annehmen, so der Hubersepp und der ewig rosenrot schauende Inhaber der Parolenmühle? Wie bringe ich das Paket ins Lager, welches ich glücklich auf dem bloßen Leibe ins Komplikationshauptamt gerettet samt den Aufzeichnungen, die es enthält? Werden wir bald wieder Margarine bekommen oder verschwindet sie endgültig? Woher nehme ich Schnüre als Ersatz für die fehlenden Schuhnestel?
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Karfreitag, März 1945.
Wir arbeiten heute, am höchsten Festtag unserer Kirche. Das gehört sich so; dem Endsieg, dem nahen, müssen alle Vorurteile geopfert werden.
Der geistliche Block hat eine große Enttäuschung erlebt, wenigstens der protestantische Teil. Gestern nachmittag eilte ich, nachdem ich meinen Brei mit Heißhunger hineingeschlungen hatte, hinunter, um mich selbst von dem frohen Ereignis zu überzeugen und zu erfahren, ob alle weg wären, wie es geheißen hatte, oder nur einige, und wer die Bevorzugten gewesen seien? Die Auskunft, die mir zuteil wurde, war echt lagermäßig. Windgasse, der Evangelist, gab sie mir. Ich traf ihn vor dem Tore; schon von weitem leuchtete in der Sonne die weiße Papierbinde, die ihm die medizinische Weisheit des Reviers, die Verein fachungsregel des ,, V.B." anwendend, zur Heilung seiner Geschwüre um den Kopf gewunden hatte. ,, Na, sind sie fort?" fragte ich voll Spannung, als ich bei ihm stand,


