DAS ERSTE WETTERLEUCHTEN
Herrenmensch! Herrenmenschen
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Herdenmenschen, das
sind die Pole des Menschentums unserer Tage, und der Christenmensch? Stirbt der aus?
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20. März 1945.
Die Seuche, Flecktyphus genannt, schleicht im Finstern und verdirbt am hellen Mittag. Einer nach dem andern verschwindet hinter dem Vorhang und kehrt nicht mehr zurück. Nur zufällig erfährt man die Namen derer, die gestorben sind; ja, es ist reiner Zufall. Sonst kräht kein Hahn nach den Todesopfern. So entmenscht leben wir hier. Nur zufällig hörte ich auch, daß Bertl, der ehemalige Lagerältetse, nicht mehr unter uns weilt. Ein Frösteln befiel mich, als ich es hörte. Denn in Allach war er Sachverständiger für das Gesundheitswesen, und hier Sanitätsobmann: er hatte also alle Möglichkeiten, sich zu schützen, und doch war's umsonst. Auch der Plagegeist, der den Knaben Hiob bis aufs Blut quälte, mußte daran glauben, obwohl er ein Hüne von Gestalt gewesen. Hiob raunt freilich etwas von Ermordung, doch das gibt ihm vielleicht seine überhitzte Phantasie ein. Das Lager macht Anstrengungen zur Bekämpfung. Eine dreimalige Impfung mich nahm es das erste Mal dergestalt mit, daß ich für die beiden andern genug hatte und mich zu drücken verstand. Ein Verfahren, in welchem ich es im Lauf der Jahre doch zu einem kleinen Erfolg brachte. Reinlichkeit wird anempfohlen, aber wie sie halten, da wir seit sechs Wochen keine frische Wäsche mehr bekommen haben. Und wenn wir sie erhalten, wie sieht sie aus? In den Nähten lesen wir die Läuse und ihre Brut auf. Was hift's unter solchen Umständen, daß auf jedem Block ein Plakat aufgehängt ist, auf welchem eine sprachkundige Riesenlaus in nicht weniger als zehn Zungen droht: ,, Eine Laus dein Tod!"
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Seit gestern ist es uns auch strengstens verboten, uns die Hände zu reichen, eine sehr sinnvolle Maßnahme, während


