DAS ERSTE WETTERLEUCHTEN
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eine Art Schürze gemacht und sie während der Arbeit umgebunden hatte. Und wenige Wochen später war es gar ein Glied des hochachtbaren Stubendienstes, Schuster, der ihm aus einem nichtigen Grund eine Meldung schrieb, ohne dazu überhaupt berechtigt zu sein. Die Meldung tat indessen ihre Wirkung; es wurde ihm, der ohnehin am Hungertuche nagte, auf 10 Tage die Brotzeit, d. h. das Frühstück, entzogen. Auf Grund solcher Erlebnisse glaubt er seine Pappenheimer zu kennen und leidet an unheilbarer Schwermut im Blick auf die neue Gerechtigkeit. -
Mittwoch, 7. Februar 1945.
Ich werde allmählich sicher und denke kaum mehr an das Damoklesschwert, das über meinem Haupte schwebt. Die rote Grammatik scheint endgültig vergessen zu sein, sonst hätten sie schon zugegriffen.
Sonntagnachmittag, 11. Februar 1945. Der Knabe Hiob hat nun doch recht behalten, wenigstens teilweise. Als ich am Mittwochabend in den Block zurückkehrte, empfing mich schon an der Türe der Stubenmogul und bedeutete mir mit verdächtiger Zurückhaltung, daß ich sogleich zur Lagerschreibstube müsse. Mehr verriet er nicht, aber mir war klar, daß es sich um die Wurst handle. Es fiel mir also gar nicht ein, mich ohne Aufenthalt zu melden, wie er von mir verlangt hatte; vielmehr ging ich zunächst einmal auf den Block ungesehen vom Stubenmogul, der mich aus reiner Schikane sogleich hinüberjagen wollte. Ich machte mein Testament, packte alles schnell zusammen, was gefährlich oder verdächtig oder wertvoll war in meinem Spind, so mein Tagebüchlein, steckte mein Brot ein und gab Löbig, dem getreuen Berliner aus Spanien , den Auftrag, als Ausdruck meines letzten Willens dem Knaben Hiob meinen Brei auszuhändigen. Die Reliquien übergab ich, M.,
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