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FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF
zwar, es bleibe bei der Drohung, während der Knabe Hiob , breitgeschlagen und ängstlich, wie er ist, Schlimmes befürchtet. Auf jeden Fall muß ich auf das Ärgste gefaßt sein und, wie mir vor zwei Jahren der Lagerführer befahl, meinen Buckel ,, hinrichten"! Damals verlief die Sache im Sande, ob auch diesmal, wer weiß?
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Wäre er doch geblieben, wo der Pfeffer wächst, dieser eifrige Handelsmann mit seiner Fleischwurst! Aber geschehen ist geschehen, und im Grunde bin ich alleine schuldig, denn wer hieß mich den unglückseligen Tausch machen als mein eigen gelüstig Herz und mein allzeit in den drohendsten Tönen knurrender Magen? Streckt da einer am letzten Mittwoch kurz vor Feierabend der Übermensch hatte kurz vorher das Büro verlassen seinen Kopf zur Türe herein und mit ihm ein wahres Prachtexemplar von einer rotschimmernden Fleischwurst, einen ganzen Kringel. Wer die hätte, jetzt in dieser paketlosen, schrecklichen Zeit! Wo das Vesperbrot immer dünner und die Wurstportionen immer bescheidener werden. Doch horch, was des Versuchers Stimme verkündet: ein Gelegenheitstausch, das Prachtexemplar sei feil gegen eine Schachtel Zigaretten! War das nicht ein Wink des Schicksals? Zigaretten besaß ich, aber solange sie nicht eßbar waren, nützten sie mich nichts, rauchen tat ich sie nicht, und die Diebe hatten durch einen nächtlichen Besuch zart angedeutet, daß sie auch die Verstecke im Porzellan zu finden wüßten. Also weg damit! Und her mit der Wurst im nächsten Augenblick war ich glücklicher Besitzer des fleischernen Kunstwerks, das sollte dem Hunger für die nächsten Tage ein Ende machen. Noch am gleichen Abend wollte ich es mit ins Lager nehmen. Und obwohl der Generaldirektor noch am Vorabend gewarnt hatte, daß dicke Luft herrsche und gefilzt werde, so ließ ich doch, wie betört von meinem Vorteil, alle Vorsicht beiseite und schob die Wurst in die Tasche des inneren Mantels( seit einigen
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