'plötzliches Ende.
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82 FÜNF MINUTEN VOR ZWOLF
sammeln, dem andern eins ans Bein zu geben. Aber da es sich um Lebertran und nicht um Pfefferminzlikör oder Eier- kognak handelte, so hörten sie nur mit einem Ohr hin und begruben die Sache mit einigen weisen Bemerkungen, als ans Fenster geklopft wurde zum Zeichen, daß der Ernst| des Tages beginne; draußen-ertönten bereits die Pfeifen- signale, und drinnen machte der Ruf:„Auf geht’s zum Appell!“ allen Fahndungsversuchen des Knaben Hiob ein
7. Januar 1945. Sollte man’s für möglich halten? Fünf Jahre vergingen, ehe ich Pfarrer Niemöller zu Gesicht bekam— zum ersten| Male im Lager— und das war gestern. Aber kaum! 24 Stunden dauerte es, da sah ich ihn zum zweiten Male, nämlich heute nachmittag in einer ähnlichen Lage wie der, gestrigen. Nur daß mir heute das Wort nicht im Halse' stecken blieb. Ich rief ihm, alle Kraft zusammennehmend, die Lust und auch den Schmerz, zu:„Herr Pfarrer!“, und. nochmals:„Herr Pfarrer!“. Aber ich hatte wiederum kein Glück; Niemöller schien keine Ohren zu haben oder meine Stimme keinen Klang— er hörte meinen Anruf nicht; aufs neue entschwand die Möglichkeit, einen auch noch so kurzen Gruß mit dem verehrten Manne zu tauschen, unter den Händen, denn wir marschierten weiter; und eher hat, das Weltmeer Mitleid mit dem Heimweh des Schi iffsjungen, als daß der Capo ein Herz hätte für das Leiden eines Häftlings. 10. Januar 1945. Das neue Jahr schlägt einen ganz hübschen Galopp an, das muß man sagen; schon liegt mehr als die erste Woche hinter uns, und es scheint, als ob es noch größere Eile habe als das alte. Eine merkwürdige Erfahrung aller Gefange- nen, daß ihnen die Zeit wie im Nu entschwindet, eine un-


