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NEUJAHR 1945, UND WAS NACHHER KAM 29
Heftlein geschrieben, da hatte er es auch beinahe schon zwi- schen seinen Fingern!— Freilich, ohne daß er es selber ahnte! Ich hatte den kleinen Schwerenöter, der so gefähr- lich werden kann für seinen Herrn, zwischen die Blätter eines Vorordners gesteckt und war just beim Ablegen der Post, nichts Böses ahnend, sondern eifrig in meine Ar- beit vertieft, da höre ich die übermenschliche Stimme fragen, wie weit ich mit meiner Arbeit sei. Und schon stand auch der Träger dieser Stimme hinter mir, seine Hand er- griff den Ordner und begann drin herumzublättern. Mir kroch es heiß den Rücken hinauf: was mochte er suchen? Hoffentlich fand er es recht bald, nämlich bevor er fand, was er nicht suchte, dich, du kleiner Schwerenöter. Blatt um Blatt wandte er um; jetzt, ja jetzt kamst du zum Vorschein, jetzt mußte er dich erblicken, und er erblickte dich auch, aber.... wie atmete ich auf: er sah dich nicht, denn seine Augen waren gehalten, er wandte um, wie mir schien, eines Augenblicks Länge zögernd, aber wirklich: eilig drehte er die übrigen Blätter um; du warst gerettet, und ich dazu!
Von der Wand herab schien das Bild der ‚„Vorsehung“ einen wütenden Blick nach ihrem säumigen Werkzeug zu schicken, weil er einen so geringen Spürsinn bewiesen hatte. — Mir hatte er nur allzuviel Spürsinn gezeigt.—
Arzt nicht da?“ Sind wir wirklich dazu verurteilt, blind- lings in unser Verderben zu rennen, und kann’s niemand aufhalten? Freilich, wir nennen’s unsern Sieg!„Den Sieg werden wir erzwingen“, hieß es zu Neujahr. Mir fiel dabei jener Schweizer Bauer ein, den Gotthelf zu seiner eigen- sinnigen Frau sagen läßt:„We’s zwänge witt, su zwäng’s!“ (Wenn du’s zwingen willst, so zwing’s!) Nur, daß jetzt nicht
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