IMPORZELLAN 179

sehr nahe, denn wir müssen das Schlimmste befürchten. Vor wenigen Tagen beging er nämlich eine neue Unvorsichtig- keit. Er versuchte, durch den Bunkerfriseur einen Kassiber an seine Freunde durchzuschleusen; aber es war ein falscher Fünfziger, ein Verräter, der den Zettel anstatt im Pfarrers- block versehentlich im Jourhaus abgab. So mag sich seine Lage noch wesentlich verschärft haben, denn nichts nehmen diese an gaunerhaften Verschlagenheit so gewandten Herren einem Gestreiften mehr übel, als wenn sie ihn bei einer List ertappen. Bewies er damit nicht, daß er sich für klüger ge- halten hatte als sie? Einer solchen Auffassung muß jedoch zwischen dem Stacheldraht um der Autorität willen mit allen gebotenen und ungebotenen Mitteln entgegengetreten werden.

Und daher können wir nicht umhin, für unsern un- glücklichen Freund Sorge zu fühlen. Möchte die unsichtbare Hand sich schützend über ihm ausrecken, daß er den An- ‚schlägen seiner Feinde nicht wehrlos zum Opfer falle!

Wir gedenken täglich des Pragmatikers. Der lange Dünne, unser halbtauber und kurzsichtiger Bürochef, behauptet, er sei endgültig abgesägt. Das macht uns traurig. Wir haben zu wenig echte Freunde, um auch nur einen entbehren zu können. Dazu einen von solchem Schlage! Wer sorgt nun für meine Breikost? Wer besorgt meine Briefe? Seine Schnurren fehlen mir sehr. Die waren kein geistloses Ge- tede, o nein! Wenn der Fähnrich Kopfweh von ihnen be- kam, so war er eben nichts Gutes gewöhnt. Auf mich wirk- ten sie immer wie kleine Liköre, die die Lebensgeister auf- wecken!

Zufällig warf ich vorhin einen Blik auf die Losung des morgigen Tags im Büchlein der Herrrnhuter. Sie lautet für den 15. März:Herr, ich bin in Not, lindre mirs... Herr, siehe, den du lieb hast, der liegt krank! Ich er- ihrak: was hatte das zu bedeuten? Was steht bevor, daß

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