AUF DEM HUNGERBLOCK 63
>bst, In das Dunkel des Stollens, in dem ich begraben lag, drang ren) durch diese Brieflein, so selten sie auch eintrafen, doch ein 40 feiner Lichtstrahl. Ich selbst konnte mich nur durch Klopf- ten„eichen bemerkbar machen. Nur alle vierzehn Tage war es uns erlaubt, einen Brief zu schreiben, doch durfte nicht ein Wort vom Lager drin stehen. Das Schreiben wurde dadurch manchen zur größten Pein, während andere durch allerlei Künste, Decknamen und sonstige literarische Knifle ver- Re. suchten, das Verbot zu umgehen und von ihrem Schicksal Kunde zu geben. Doch kam die Überwachung von Zeit zu
i zu..... un.) Zeit hinter die angewandten Schliche der Geheimsprache ar und wehe den überführten Verfassern; sie mußten ihren
Eu Mitteilungsdrang mit oft harten Strafen büßen. Den Geist- lichen, welchen es gelungen war, geeignete Bibelstellen oder
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jeut, Liederverse zur Kennzeichnung ihrer Lage anzuführen, von wurde eines Tages streng untersagt, Bibel und Gesangbuch \en- auf solche hinterhältige Weise zu mißbrauchen.
9 in So kam das Christfest herbei. Es war die traurigste Weih-
»ren nacht, die ich je erlebt hatte. Auf dem freien Platz hatten Sie sie zwar vor der Küche einen großen Tannenbaum er- mit richtet, dessen elektrische Birnen die Kerzen ersetzen sollten. ssen Auch strahlten sie in der Tat am Heiligen Abend in die die. Nacht des Lagers hinein, aber es war ein kaltes Licht, das
ppt, uns nicht erwärmte; und von der Botschaft der Engel war äfig, weit und breit kein Wort zu hören. Auf der Stube ging liese etwas vor, was sie eine Feier zu heißen wagten, doch offen- am,. barten die zweideutigen Scherze aufs krasseste die innere ‚den Armut unseres Stubensultans und seines Veziers, des Block- ; zu friseurs. Die Einsamkeit, in die so viele von uns hinein- dies gestoßen waren, kam uns an diesem Abend um so schmerz- sten licher zum Bewußtsein. Selbst die Hoffnung, daß die Fest- iber tage durch ein besseres Mahl ausgezeichnet werden, trog.
Diese christlichen Feste, an deren Einstampfung die Herren-


