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AUF DEM HUNGERBLOCK

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ihnen den Anschein gab, als wären sie lebende Näh­maschinen. Umsonst! Vielen erfroren die Zehen, Dutzende erstarrten zu Eis und kamen um; das Revier weigerte sich gleichwohl, die Toderschöpften aufzunehmen. Endlich wurde dem Unfug ein Ende gemacht. Nachdem eine große Zahl erfroren -man sprach von mehr als 100 Häftlingen

-

waren, wurden wir gnädig entlassen und auf unsere Blöcke zurückgeschickt.

Der Schnee war eine rechte Plage, kein Zweifel, aber in der Hand der Herrenmenschen wurde er zum Folterinstru­ment. Sie verstanden meisterhaft, aus diesen zarten Kri­stallen, die engelsleicht vom Himmel fielen wie ein Gruß von oben, ein Marterwerkzeug zu machen, mit dem sie uns peinigten. Es beliebte ihnen, uns in unseren spärlichen Frei­stunden den Befehl zum ,, Rollen" zu geben, und wir mußten uns im Schnee der Lagerstraße oder des Appellplatzes in unserem dünnen Zeug dahinwälzen, vorwärts, rückwärts, seitwärts ein aparter Anblick für die blauen Augen der nordischen Herrengestalten.

Sie meinten es so herzlich gut mit uns, sie wollten für Beschleunigung des Blutumlaufs sorgen, nur taten sie es so ausgiebig, daß mancher mit einem Herzschlag liegen blieb, andere aber den Sport mit Lungenentzündung büßen muß­ten. Auch zur Ausführung privater Todesurteile eignete sich die winterliche Landschaft gut. Die Übung wurde solange fortgesetzt, bis der Delinquent vor Frost und Schweiß zu­sammenbrach. Wir hatten einen jungen Menschen auf der Stube, der sich vom Hunger hatte verleiten lassen, Marme­lade zu stehlen. Er mußte am ersten Tage rollen, am zweiten Tage auch; am dritten oder am vierten Tage brauchte er es nicht mehr, denn da war er tot.

Waren wir nicht selbst wie Schnee in der Hand der Nord­männer? Sie formten uns zu Ballen, zerdrückten uns oder warfen uns weg nach jähem Belieben. Und da war niemand,