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ZWEITAUSEND TAGE DACHAU

,, Aber Ordnung hat er gehalten." Ja, ja: unter der Decke der äußeren Ordnung die Unordnung der Heuchler und Pharisäer. Das laßt euch gesagt sein, die ihr nicht zu unter­scheiden wiẞt zwischen Wichtigem und Unwichtigem. Nie herrschte in unserm armen Vaterlande ein solcher Sumpf der Verwahrlosung als während der Jahre, da es im Namen der europäischen Neuordnung von Analphabeten geschulmeistert wurde.

Jener Winter war tödlich. Bald nach Weihnachten setzte die grimmige Kälte ein, die bis in den März hinein anhielt und im Verein mit dem Hunger Tausenden das Leben ko­stete. Den Juden war es von einem bestimmten Tage an überhaupt verboten, das Revier in Anspruch zu nehmen. Ein Jammer, ihre Elendsgestalten dahinschleichen zu sehen. Um zum Appellplatz zu kommen, der von ihrem Block aus in drei Minuten zu erreichen gewesen wäre, brachen ihre Invaliden bereits eine Stunde vorher auf; in müder, lang­samer Prozession schneckengleich, einer auf den andern ge­stützt, humpelten sie zum Platze. Ein Anblick, den ich nie vergessen werde. Ein Zug von lebenden Leichnamen! Doch auch für viele andere wurde der scharfe Frost zum Ver­hängnis. Die Appelle dauerten oft stundenlang. Es schien uns, als ob eine teuflische Absicht dabei walte und die Ver­sammlungen sich nicht aus Zufall in die Länge zögen. Ich entsinne mich eines Morgens, an dem das Lager bei beißender Kälte zusammengerufen ward. Wir wurden ge­zwungen, die Tortur des endlosen Wartens über uns ergehen zu lassen, ohne den Zweck erkennen zu können, welcher uns in Eis und Schnee bannte. Bald glich das ganze Lager einem Kongreß von Nähmaschinen und Holzsägen; denn in der Verzweiflung, um dem Erfrieren zu wehren, ergriffen wir gegenseitig unsere Hände und zogen sie, Sägen gleich, hin und her; andere stießen abwechselnd mit dem einen Arm und dann mit dem andern die Luft zu Boden, was

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