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Als Priester im Konzentrationslager : meine Erlebnisse in Dachau / Pfarrer Leopold Arthofer
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Wien geschickt, mit dem Tabak, den ich von meiner Tante und Wirtschafterin Rosa als Weihnachtsgruß aus der Heimat erhalten hatte. An diesem Tage aber hätte ich vor seelischer Fassungslosigkeit und Trauer am liebsten sterben mögen. Zehntausend Menschen ringsum und doch allein ganz allein, gottverlassen. So war es einfach, aber ich rauchte meine Pfeife und rief einem Arbeits- kameraden, der mir begegnete, ein froh betontesSer- vus! zu. Maske, alles Maske!

In vielen Mitgefangenen begann sich unter dem Ein- fluß der ständigen körperlichen und seelischen Leiden ein grenzenloser Haß gegen die NSDAP . und besonders gegen die Prätorianer ihres vergötterten Cäsars, gegen die SS, zu entwickeln, ein Haß, der ans Irrsinnige grenzte.

Ein Beispiel: Manchmal ging ich an arbeitsfreien Tagen mit einem bayrischen Arzt spazieren, der seit 1933 im Kazet lebte. Weltanschaulich rechnete er unter die Katho- liken. Einmal sagte er zu mir:Ich hoffe, daß die Zeit kommen werde, wo jeder Angehörige der SS restlos ver- tilgt wird. Keiner darf verschont bleiben. Ich wendete ein, daß sie doch nicht alle ganz gleich zu beurteilen seien, und fragte ihn, wie er sich denn zu dem christlichen Gebot der Feindesliebe stelle.

Feindesliebe? meinte er,stimmt! Sie ist ein Gebot Christi. Aber dieses Gebot verpflichtet uns, Menschen zu verzeihen, die uns beleidigten, nicht aber, Bestien zu schonen, die ihre Menschenwürde längst verloren haben.

Und dabei merkte ich in seinen sonst gütigen Augen eine fieberhafte Glut, die mich veranlaßte, unser Ge- spräch in eine andere Bahn zu lenken.

Es war für jeden edelgesinnten Kazetler ein Problem, im Laufe der vielen, fast hofinungslosen Jahre der Haft, eingepfercht in einen ständig ruhelosen Haufen sich reibender Mitmenschen, nicht irgendwie zu degenerieren, zu vermassen. Der herrschende Lagerton war rüde, wir sagten gerne, er seirauh, aber herzlich und oft- mals hätten sich unsere Lieben zu Hause entsetzt, wenn

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