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Das aufgebrochene Tor : Predigten und Andachten gefangener Pfarrer im Konzentrationslager Dachau / Vorwort und Herausgeber: Martin Niemöller
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strömung. Der Strom bedingt die Unterströmung, die Unter­strömung trägt den Strom, eines ist ohne das andere nicht möglich.

Gottes Barmherzigkeit bedingt und begründet unsere Barmherzigkeit, aber nur die Barmherzigen werden Barm­herzigkeit erlangen. Gottes Wort führt uns ins Gebet, und das Gebet führt uns zu Gottes Wort. Gottes Reich wächst ohne dich, aber wehe dir, wenn du es nicht trägst. Gottes Wort läuft auch ohne dich durch die Lande, aber wehe dir, wenn du es nicht verkündigst. Gottes Reich gleicht dem wachsenden Senfkorn und dem wirkenden Sauerteig. Paulus braucht das Bild vom Sauerteig auch für das Böse. Auch das Böse hat sauerteigähnliche Kraft, auch das Böse gestaltet seine Umgebung gleichartig und gleichwirkend. Da­mit wird das Urteil über die Gleichgültigkeit gefällt, sie wird zwangsläufig in den Bannkreis des Bösen kommen. Vor Gott gibt es keine Neutralität.

Das Bild vom Sauerteig ist unserer Zeit fremd gewor­den, da nur noch wenige die Brotbereitung mit Sauerteig kennen. Ich versuche daher, den Gedanken des Gleichnisses mit dem Bilde von Eisenfeilspänen und einem Magneten klarzumachen. Der Magnet richtet die Eisenspäne aus und füllt sie mit Kraft, und zwar so, daß die nächstliegenden auf die ferneren einwirken. Sie kommen in die gleiche Rich­tung und bekommen die gleiche Kraft von dem Magneten, der in der Mitte liegt. Die Fragen, die wir uns stellen müs­sen, sind daher die: Weißt du, daß Gott sein Reich baut, und daß es wächst, und wie wirkst du auf deine Umgebung ein? Das Senfkorn ist das kleinste Korn und ergibt die größte Staude; der Herr wird sein Reich vollenden. Das Reich Gottes gleicht dem Sauerteig, der den ganzen Teig durchsäuert. Amen.

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