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Das aufgebrochene Tor : Predigten und Andachten gefangener Pfarrer im Konzentrationslager Dachau / Vorwort und Herausgeber: Martin Niemöller
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wor Gott

on dem,

Deshalb

ein, treu

S. LOPPE, Wilno

VERSTEHEN WIR ZU BETEN?

Predigt am Sonntag Rogate 1945

urch uns

Matth . 6, 5-13

"

Morituri salutant Te, Domine!" Die

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Sterbenden, die zum Tode Verurteilten, grüßen Dich, o Herr! Ja, Herr, mit betenden Herzen, mit lobenden Lippen und gefalteten Hän­den grüßen wir Dich an dem ersten vollständig freien Sonn­tage. Denn um 5.30 Uhr nachmittags des Sonnntags Can­tate schlug uns die Stunde der Befreiung und Rettung, der Befreiung von der Hölle des Dachauer Lagerregimes und der Rettung vor dem uns allen drohenden Martertode*).

Und so dürfen wir wohl in diesem Sinne mit Paulus triumphieren: ,, Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg? Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unsern Herrn Jesum Christum ."( 1 Kor. 15, 55, 5.) Wir sind, gottlob, gerettet, wunderbar gerettet! Wem verdanken wir diese wunderbare Rettung? ,, Ehre, wem Ehre gebührt": den Amerikanern! Aber in erster Linie dem allmächtigen, gnädigen, unendlich guten dreieinigen Gott, den Gebeten zu ihm; ob unseren eigenen Gebeten? das vielleicht am wenigsten, denn ich bin ein unnützer Knecht, ein unwür­diger Mensch! Werden's nicht die Gebete unserer Liebsten gewesen sein deines Weibes, deines Kindes, deiner Eltern, Geschwister, eines in deinen Augen vielleicht gar unschein­baren Menschen Gott weiß es!

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Ein sonst sehr begabter Pfarrer hatte in seiner Gemeinde viele Bekehrungen, er konnte sich schon etwas einbilden

*) Himmlers Geheimbefehl vom 14. 4. 1945.

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