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Das aufgebrochene Tor : Predigten und Andachten gefangener Pfarrer im Konzentrationslager Dachau / Vorwort und Herausgeber: Martin Niemöller
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In die Tiefe unserer Schuld, unter die Wucht unserer Sünden muß er sich begeben, um uns retten zu können: unschuldig unter dem Fluche am Kreuze, verspottet von allen. Sogar einer der Übeltäter neben ihm lästert ihn.

Aber in diesem allen tat der Herr sein Werk: zahlte blutend den Preis, tilgte mit seinem bitteren Leiden unsere Missetaten.

Etwas davon hat der andere Schächer geahnt: ,, Wir empfangen", so antwortete er ,,, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeschicktes getan."

Ja, das Licht ging ihm auf: ,, O Lamm Gottes, unschul­dig am Stamm des Kreuzes geschlachtet"; aber für uns, um uns Schächer und Mörder mit Gott zu versöhnen.

Und er sprach zu Jesus : ,, Herr, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst!"

Mit Tränen säte Christus, aber mit Freuden kam er zu dieser seiner Ernte. Große Menge empfing er zur Beute und diesen Starken bekam er zum Raube.

Wie hat seine Seele da gejauchzt: ,, Heute wirst du mit mir im Paradiese sein!" Du, Adamssohn, du Teufelskind. Du wirst mit mir sein, vom Teufel erlöst, von Sünden frei! DU MIT MIR! Das war sein großer Sieg.

Freilich, gleichgerechnet den Übeltätern war er, sein Kreuz stand neben zwei anderen, und wie es den zwei Schä­chern erging, so erging es ihm. Da war anscheinend nichts besonderes an ihm.

Und doch: dieses Wort war seine Siegestat.

Er erntete schon die Frucht seines Opfers.

Wie Mose in der Wüste eine Schlange erhöht hat, also muß des Menschen Sohn erhöht werden, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

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