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Das aufgebrochene Tor : Predigten und Andachten gefangener Pfarrer im Konzentrationslager Dachau / Vorwort und Herausgeber: Martin Niemöller
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der Welt konnte dazu irgendwie in Vergleich gesetzt wer­den. Unsichtbar wollte Er dort in einer Wolke sich kund­tun. Und die Gemeinde wußte es, daß, wenn auch der Himmel und aller Himmel Himmel Ihn nicht fassen kön­nen, Gott dennoch als im Tempel wohnhaft geglaubt und dort angebetet werden durfte.

Dort Gott wollte im Dunkel wohnen. Daher trennte jener blaurotgewirkte Purpurvorhang, mit Cherubingestal­ten bestickt, schützend das Allerheiligste von dem Heiligen des sonstigen Tempelinnern. Der Grund für diese Ver­borgenheit Gottes ist bekannt genug: die Sünde der Men­schen darf Seine Heiligkeit nicht berühren. Und wenn ein­mal im Jahr, am großen Versöhnungstag, der Hohepriester als einziger tatsächlich das Allerheiligste betreten durfte, so konnte er das nur tun, die Schale mit dem Blut der Sünd­opfertiere in der Hand. Durch der Menschen Sünde ist Gott der Verborgene( absconditus) geworden, der im Dunkel wohnt.

Dort nun tritt in das seit Adams Fall bestehende Schuld­verhältnis die Versöhnungstat von Golgatha hinein. Und da verliert die Sonne ihre Helligkeit und wird mit Dunkel umhüllt; und andererseits verliert durch das Reißen des Vorhangs das Allerheiligste, die Stätte Gottes, ihre Dunkel­heit und wird hell. Der verborgene Gott zeigt sich plötz­lich als der offenbare. Die bestehenden Verhältnisse kehren sich um. Weil Gottes Kind zum fluchbeladenen Sünder wird am Kreuz, dürfen wir fluchbeladenen Sünder Gotteskinder werden. Wer es fassen kann, der fasse es.

Jemand meinte einmal, daß mit Christus die Aufwärts­entwicklung der Weltgeschichte ihren Kulminationspunkt*) erreicht habe; fortan gehe es abwärts, dem Jüngsten Tage

entgegen.

*) Höhepunkt.

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