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Dachau : Erlebnisse im Konzentrationslager / von Konrad Wüest Edler von Vellberg
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berg mischte sich die Freude über die bevorstehende Frei­heit mit der Sorge um das Wohlergehen seines zurück­bleibenden Freundes. So flossen Tränen der Freude und Tränen des Schmerzes. Kameraden hatten als Zugehörende eines Räumungskommandos von München nach Bombarde­ments ihrem Kameraden Vellberg eine Flasche Wein mit­gebracht. Sie fand bei dem Abschied die beste Verwer­tung. Selbst eine gute Zigarre fehlte nicht! Noch einmal drückten sie beide sich gegenseitig die Hände und sahen sich tief in die Augen. In jedem klang das hohe Lied der Kameradschaft! Auf Umwegen hat Vellberg noch lange Zeit mit Jörrschick im Briefwechsel gestanden, bis ihn die Verhältnisse zwangen, in der Masse unterzutauchen.

Die Gestapo hatte wieder verschärft ihre Tätigkeit auf­genommen und fahndete hinter allen ihr irgend verdächtig Erscheinenden. So mußte Vellberg verschwinden. Teils hielt er sich in Tübingen , teils in Berlin auf, während er in Stutt­ gart polizeilich gemeldet war. Nur so gelang es ihm, bis zum Tage, als die Franzosen mit ihren ersten Panzerspitzen in Tübingen einzogen, den Verfolgungen zu entgehen. Jetzt erst war für Vellberg die Zeit gekommen, das schöne Wort , Freiheit" mit goldenen Lettern zu schreiben.

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Die Stetigkeit im Charakter des Jörrschick und die Mun­terkeit seines Wesens lassen Vellberg wünschen, daß er dem schauerlichen Finale der letzten Tage in Dachau ent­ronnen ist. Er hat ihn nicht vergessen und hofft ihn eines Tages wieder begrüßen zu dürfen. Über die verheerenden Grausamkeiten der letzten Tage in Dachau hat das Radio und haben die Zeitungen zahllose Berichte gebracht. Vell­

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