In der Nacht sahen die Häftlinge oft die Flugzeuge der Westmächte ihre Bahn über das Lager hinwegziehen. Sie schauten ihnen nach und begleiteten nur zu oft jedes einzelne von ihnen mit heißen Wünschen. Zuweilen steckten diese Flugzeuge das Konzentrationslager Dachau ringsherum mit Leuchtschirmen ab, so daß es taghell erleuchtet war. Nie sind auf das Häftlingslager Sprengbomben gefallen. Die mutigen 44- Leute machten sich das zu nutze, indem bei Fliegeralarm alle in das Lager hineinströmten. So suchten sie ihr kostbares Leben im Schutze der ausgestoßenen Volksgenossen zu retten!
Nur einmal fiel eine Brandbombe in das Lebensmittelmagazin bei der Lagerküche. Der durch die Löscharbeiten verursachte Schaden war weit größer als der durch den Brand. Die Löschmannschaft, die aus Häftlingen bestand und jeden Tag Übungen abhielt, hatte hierbei ihre Feuerprobe bestanden. Bezeichnend für die charakterliche Haltung der 44 ist hierbei folgendes: Wie Vellberg später im Jourhaus feststellen konnte, hatten sich diese 44- Männer in der Brandnacht aus den Beständen der Häftlingsvorräte reichlich versorgt.
Im Lager gab es kleinere und größere Gruppen von Zebraisten, die sich zusammengefunden hatten. Teils hatten sie die gleichen politischen Interessen, teils das gleiche schöngeistige Empfinden. Gingen beispielsweise zwei gute Freunde mehrere Jahre diesen gleichen Leidensweg zusammen, kannten sie sich viel besser als zwei Freunde sich in der Freiheit kennen lernen. So wußte Vellberg von seinem Kameraden Karl Jörrschick genau, wie es um dessen
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Kommandantur
Am
22. Dezember 1943


