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Dachau : Erlebnisse im Konzentrationslager / von Konrad Wüest Edler von Vellberg
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Dachau kein 44- Mann einen Häftling prügeln, es mußte erst eine Strafmeldung erfolgen. Die Zügel wurden plötzlich lockerer gelassen. Innerhalb des Lagers durften sich deut­sche, polnische, russische, slowenische, kroatische und an­dere Gesangvereine bilden. Selbst Fußballturniere wurden nach Feierabend veranstaltet. Theatergruppen konnten Auf-. führungen veranstalten, die durch Anwesenheit des Kom­mandanten Welter oder des Lagerführers Redwitz ihre Be­lobigung erfuhren. Es gab da in einer Bibliothek gute Bücher zu leihen und konnten Radioübertragungen gehört werden. Man war also mit einem Male menschlicher geworden. Die Wachmannschaft bestand an Stelle der früheren, vielen, jungen 44- Lümmel nunmehr aus älteren, zum Teil fünfzig­jährigen Reservisten. Diese zeigten keine Lust, die Häft­linge zu schinden und zu plagen. Vielmehr war aus ihren Äußerungen erkenntlich, daß auch sie den Krieg satt hatten. Wurde das Leben im Lager durch diese Erleichterungen auch etwas erträglicher, so blieb die Spannung trotzdem erhalten. Alle Zebraisten fragten sich untereinander immer wieder, wie lange es noch so weiter gehen sollte, ob die Frei­heit ihnen überhaupt noch einmal zufallen sollte. Niemand von ihnen wußte, auf welche Dauer der Schutzhaftbefehl lautete. Sie wußten nur, daß er von dem berüchtigten, in Prag zu Tode gekommenen Heyderich unterzeichnet war. Der Kriminelle, der wegen Diebstahls vielleicht drei Mo­nate Gefängnis bekommen hatte, konnte das Ende seiner Strafe absehen. Der Zebraist, der nichts Ehrenrühriges ver­schuldet hatte, sah kein Ende seiner Haft. Meist wurde er von Tag zu Tag nervöser.

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