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Dachau : Erlebnisse im Konzentrationslager / von Konrad Wüest Edler von Vellberg
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Eigenartig in ihrem Wesen und hervorstechend durch gute Eigenschaften zeigten sich die Anhänger der sogenann­ten Bibelforscher. Wo immer man mit ihnen zusammen­traf, waren sie, weil innerlich völlig ausgeglichen, von un­gezwungener, natürlicher Kameradschaft und kaum zu übertreffender, samariterlicher Selbstlosigkeit. Wenn irgend möglich, suchte Vellberg in der Unterhaltung in ihre Ge­dankengänge einzudringen und sich von ihrer Lehre manches vermitteln zu lassen. Es war ihm jedoch nicht möglich, die gleiche Beseelung zu erfahren wie jene. Man muß wohl als Voraussetzung eine große, reine Naivität mitbringen. Ohne diese ist man für diese Lehre nicht aufnahmefähig. Glaube ist eben Überzeugung dessen, was man nicht sieht. Zu einem solchen Glauben muß man doch wohl eine kindliche Naivität mitbringen. Oder aber es ist nur eine oberflächliche, dünne Schale, die, wie es das Beispiel bei den vielen Geistlichen bewiesen hat, beim geringsten Druck springt und abfällt. Jedenfalls machten sich alle bösen Zeichen tiefster Verzweif­lung in dieser Hölle auch bei diesen, die doch durch ihren Glauben gefestigt sein sollten, mindestens in gleicher Form wie bei den übrigen Inhaftierten bemerkbar, oft in besonders starkem Umfang.

Wenn immer wieder das Ungeheuer Verzweiflung sich um Hirne und Herzen der Häftlinge legte, war es die Kamerad­schaft, die allein diese Krisen überstehen ließ. Sie zeigte sich im Lager selbstverständlich in verschiedenen Variationen. So war ihre Verbundenheit deutlich bei den Angehörigen früherer Parteien untereinander bemerkbar. Kommunisten halfen Kommunisten, Sozialdemokraten wieder diesen. Lei­

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