würdigen. Wie froh waren diese Ärmsten über einen Freund, der ihnen in schwerster Stunde zur Seite stand. Allzu groß war die Anzahl dieser erschreckend schweren Stunden. Ein gutes Wort zur rechten Stunde, eine kleine Unterstützung bei der Arbeit, gerade dann, wenn der andere schwach zu werden droht, war von unermeßlichem Wert. Vellbergs guter Kamerad war Karl Jörrschick aus Chemnitz , Nikolaistraße 10. Besonders in der Zeit der Typhuserkrankung stand er ihm unermüdlich zur Seite. Selbst auf die Gefahr hin, angesteckt und von dieser Seuche dahingerafft zu werden, kam er auf Schleichwegen ins Revier. Er brachte Vellberg zusätzliche Lebensmittel, vor allen Dingen vitaminreiches Obst, das er, weiß Gott , auf welche schwierige Weise irgendwo auf der Arbeitsstelle draußen organisiert hatte. Dabei muß man wissen, daß alle von den Außenstellen zurückkehrenden Zebraisten abends beim Einrücken am Tor gefilzt, also genauestens untersucht wurden, ja daß hohe Lagerstrafen darauf lagen, wenn man irgend etwas fand. Jörrschick nahm das alles aus Kameradschaft auf sich. Dabei war er vorher schon einmal aus einem guten Küchenkommando mit Strafe herausgeflogen, weil er abends einem hungrigen Kameraden etwas ins Lager gebracht hatte. Jörrschick war ein guter Kamerad, ein ganzer Kerl, der es allerdings schroff ablehnte, Christ genannt zu werden.
Im Gegensatz zu ihm gab es leider auch unsaubere Charaktere. Besonders unter den Pfarrern zeigten sich- jetzt ihrer bedauernswerter Weise patriarchalischen Würde beraubt Charaktereigenschaften niedrigster Art. Es sollen aus der Reihe beschämender Vorfälle nur wenige zur Kenntnis ge
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