nommen, noch sich über einen so gewaltig langen Zeitraum erstreckt. Medikamente zur Heilung wurden ebensowenig verabreicht wie Prophylaktika. Letztere wurden nur an die 44- Angehörigen ausgegeben, bis zu 60 Ampullen zum Spritzen. Die Häftlinge waren nur auf gegenseitige Hilfe untereinander angewiesen, die selbstverständlich gänzlich unzureichend war. Antiseptika wie alle in solchen Fällen notwendigen Reinigungsmittel waren nur in ganz beschränktem Umfange vorhanden. Infolge der ungenügenden Reinlichkeit stellte sich bei den meisten Krankheitsfällen noch Gesichtsrose ein. Wie fast alle, hatte auch Vellberg unter dem wochenlangen Fieber so zu leiden, daß ihn die Kräfte fast völlig verließen und er sich seinem Ende nahe fühlte. Nur der ungeheure Wille, selbst dieses Schwere zu überwinden, und seine als Bergsteiger geschulte, körperliche Widerstandsfähigkeit und die glückliche, starke Veranlagung von Natur aus ließen ihn das Schlimmste überstehen. Doch wurde er infolge des Typhus mit einer beiderseitigen Mittelohreiterung für sechs Wochen erneut aufs Krankenlager geworfen. Niemand ist imstande, sich nur annähernd in seine Lage zu versetzen, es sei denn, er hat das gleiche Schicksal erleben müssen. Er hätte wie alle Bedauernswerten durch das lange und harte Lager am ganzen Körper mit offenen Wunden bedeckt, vom heftigsten Fieber geschüttelt die Kräfte zusehends schwinden sehen. Kaum Rekonvaleszent, erneute, kaum ertragbare Schmerzen, daß er meinte, der Kopf müßte platzen. Neben sich die vielen, die durch die Krankheit und die schlechte Behandlung eine chronische Lungenentzündung bekamen. Viele gingen ein. Welche Gedanken mußten ihn
37


