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Dachau : Erlebnisse im Konzentrationslager / von Konrad Wüest Edler von Vellberg
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lichen Häftlingen, die man zu diesem Zweck aus Ravens- brück nach Dachau abkommandiert hatte, frottiert und ins Bett gepackt. Die aus Ravensbrück abkommandierten, ihn behandelnden Mädchen hatten sich zu dem Opfer ins Bett zu legen. Mit der Stoppuhr in der Hand wurde genau fest- gestellt, wie lange Zeit der Häftling benötigte, um das Bewußt- sein wieder zu erlangen, das heißt, bis er die ersten Re- aktionen nach der Ohnmacht zeigte. Dann wurde festgestellt, wieviel Zeit verstreicht, bis es bei dem Manne infolge der beiden neben ihm liegenden, warmen, nackten Mädchen- körper zu Erektionen kam!

Eigentlich wird sich der Leser nach diesen Darstellungen über die in dem Konzentrationslager Dachau herrschenden hygienischen Verhältnisse schon eine eigene Vorstellung machen können. Es soll ihm aber auch darin etwas geboten werden. In dem sogenannten Revier befanden sich außer diesen Versuchskaninchen und den Invaliden viele Fälle von Krätze, Bartflechte und anderen Hautkrankheiten. Auch eine innere Station gab es. Vom Dezember 1942 bis zum Juli 1943, also über ein halbes Jahr, lagen auf dieser Station viele tausend Häftlinge mit Typhus abdominalis (Bauch- typhus). Auch Vellberg gehörte zu diesen Bedauernswerten sechs Monate lang. Bei einer Körperlänge von 1,76 m war das Gewicht auf ganze 52 kg heruntergegangen! Nach den bisherigen Darlegungen wird sich jeder denken können, daß die hygienische Behandlung wie die Versorgung mit Medi- kamenten durchaus den bestialischen Gedankengängen der allgemeinen Menschenbehandlung entsprach. Die Epidemie hätte im entgegengesetzten Falle weder die Ausmaße ange-

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