Vorgeschichte
Liebe zur Natur und zu den Tieren trieb Vellberg fast täglich auf den Fangelbachfriedhof in Stuttgart , um dort den Schnee fortzuräumen und seinen Lieblingen in der Vogelwelt Futter zu streuen. Hierbei wurde er am 14. Januar 1941 um
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Uhr verhaftet und in eine Einzelzelle des Polizeigefängnisses in der Büchsenstraße überführt. Entgegen der Zwangsvorschrift, Inhaftierte innerhalb 24 Stunden spätestens dem ersten Verhör zuzuführen, überließ man ihn volle drei Tage sich selbst. Dann folgte Verhör auf Verhör! Der Chef der Gestapo in Stuttgart , der unrühmlich bekannte Musquai, hatte den Apparat nach seinen Wünschen und nach den politischen Bedürfnissen aufgebaut und mit den entsprechenden Individuen ausgerüstet. Der Häftling wurde von drei Gestapoleuten, Wörner, Fritz und Unbekannt in ein sich stetig steigerndes Kreuzverhör genommen.
Wer meint, daß der Abschluß der über eine Woche andauernden Vorprüfung zur Einleitung eines Gerichtsverfahrens geführt hätte, muß sich eines anderen belehren lassen. Es folgte vielmehr die Überführung in das sogenannte Durchgangslager Welzheim , das wie das den Franzosen und Luxemburgern bekannte Lager Schirmeck i. Elsaß von einem übel beleumundeten, gewissen Bock mit Unterstützung des täglich angetrunkenen Lagerführers Eberle geleitet wurde. Die Verdienste dieses Rohlings, der übrigens eine Beinprothese hatte, wurden durch die Benennung einer Straße in Welzheim nach seinem Namen belohnt. Seiner würdig war der Empfang eines jeden Häftlings. Mit Peitschen wurde er, wohin auch immer
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