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Henker und Heilige : eine Erzählung aus unseren Tagen / Paul Kowollik
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hakenkreuzgezeichneten Schlange es nicht nur Henker, sondern auch Heilige gab. Die Gerechtigkeit ist in allen Jahrhunderten verfolgt wor­den, in dem einen mehr und in dem anderen etwas weniger. Die Macht ist dem Recht noch bei allen Völkern und zu allen Zeiten voran­gegangen. Die Freiheit, von der wir hier oft sprechen, die wir meinen und ersehnen, führt ihren Reigen für die Menschheit nur am Sternen­zelt. KA- EL- BU ist für mich nicht nur eine politische, sondern noch mehr eine Angelegenheit der Religion, die mir ohne den Glauben an die Erbsünde ein Rätsel wäre. Wenn es einmal eine Befreiung aus dieser Hölle gibt, so werden die wenigsten von hier Stern, Ordensband oder Ministerposten als Anerkennung erhalten. Ich glaube sogar, daß eine neue Zeit ebenso intolerant sein wird wie die heutige, und daß dieses Übel seine Wurzel in der Entfremdung vom Christentum hat."

,, Du magst nicht unrecht haben mit der Ansicht, daß das Christen­tum in der Lage sei, das Gleichgewicht in der Menschheit wiederher­zustellen, und ich übersehe keineswegs seine Verdienste um die Kultur des ganzen Abendlandes. Das Urchristentum der ersten drei bis vier Jahrhunderte war in der Tat sozial, ja revoulutionär eingestellt. Nun ist aber im Laufe der Jahrtausende das urspünglich erfrischende Wasser dieser Heilslehre abgestanden und fade geworden, und ich glaube, daß es dem Marxismus einmal ebenso ergehen wird. Jetzt hat er aber noch seinen revolutionären Schwung, und solange die Wohlhabenden nicht bereit sind, freiwillig mit den Nichtbesitzenden zu teilen, solange müs­sen sie mit Gewalt dazu angehalten werden. Ich glaube, daß das die Kirche auch einsehen wird und daß es früher oder später zu einer An­näherung und sogar Versöhnung dieser beiden mächtigsten Weltan­schauungen kommen wird. Bei den Klängen der Marseillaise sind wäh­rend der französischen Revolution die gesalbten Köpfe unter der Guillotine gerollt, und heute wird die gleiche Marseillaise der damaligen gottlosen Jakobiner bei Staatsakten in Notre Dame gespielt. Aber für uns", fuhr Karl fort ,,, ist das alles gegenwärtig nur Theorie. Zuerst müssen wir hier herauskommen, denn KA- EL- BU wird noch manche Überraschung bringen. Die meisten von uns werden wie Ungeziefer verrecken und niemals die Freiheit wiedersehen. Deshalb habe ich be­

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