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Henker und Heilige : eine Erzählung aus unseren Tagen / Paul Kowollik
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schlossen, auf eigene Faust zu handeln, und es ist bedauerlich, daß du nicht mit uns mitmachen willst.

Das ist für mich, Karl, unmöglich, weil ich Angehörige habe, die für meine Flucht büßen müßten. Du und dein Genosse Kurt, ihr braucht auf niemanden Rücksicht zu nehmen. Möge euch der Himmel behilflich sein und euch die Flucht gelingen lassen!

X.

Sieben Wochen waren seit jenem Herbsttage vergangen, an dem mich Karl für die Flucht zu gewinnen suchte. Der milde Herbst hatte einem strengen Winter Platz gemacht, und das Thermometer sank zwischen den Baracken auf unter 20 Grad minus. Karl und sein Ge- nosse Kurt hatten die Flucht gründlich vorbereitet. Sie arbeiteten am Tage als Maurer an einem riesigen Garagenbau der SS außerhalb des eigentlichen Lagers und versteckten sich in dem aus Dutzenden von Hallen und Kammern bestehenden Bau, als ihre Arbeitskolonne am Abend ins Lager einrückte. In einer dieser kleinen Kammern mauerten sich die beiden von innen vollkommen ein, so daß auch die angesetzten Spürhunde des Suchkommandos die Verborgenen nicht finden konnten.

In den Reihen der Bewachungsmannschaft fand Karl einen Mann,

der ihm Zivilanzüge, Proviant und sogar Schußwaffen besorgte. Auch über ein Fläschchen mit Zyankali für den Fall des Mißlingens der Flucht verfügten die zwei. Sollte alles in die Brüche gehen, dann sollte das Fläschchen sie vor einem schmachvollen Tode am Lagergalgen bewahren, und keine Folter am Baum oder in der Zelle konnte sie dann mehr zum Sprechen bringen, wer ihnen zur Flucht verholfen hatte. Der Helfer hatte sich allerdings seine Dienste gut bezahlen lassen; denn 32 000 Mark waren gewiß kein Pappenstiel. Dieses Geld war von politischen Freunden seines Blocks bei jüdischen Häftlingen gesammelt worden, die im Herbst 1938 in Massen nach KA-EL-BU gebracht worden waren. Diese Massen, es waren über 12 000 Mann, waren von der Lagerleitung nicht genau untersucht worden, so daß viel unkontrolliertes Geld nach KA-EL-BU hereingekommen war. Von diesem Gelde stammten die 32000 Mark, die nun Karl und Kurt die Freiheit wiedergeben sollten.

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