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Henker und Heilige : eine Erzählung aus unseren Tagen / Paul Kowollik
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einem dieser Blöcke hockten und standen einige Dutzend Gefangene und musizierten. Manche von ihnen hatten Ziehharmonika oder Guitarre. Musikinstrumente waren nämlich das einzige, was sich die Gefangenen mit besonderer Genehmigung senden lassen konnten. Ein Mitgefangener, früher Tenor an der Frankfurter Oper, sang deutsche und italienische Lieder. ,, Leise flehen meine Lieder", sang, nein betete der Sänger, und die reine Stimme glich dem milden Mondenstrahl, der das Elend mit einem weichen, silbernen Mantel zu verhüllen begann. Ein langaufgeschossener Zigeuner, den wir Ali riefen, spielte auf einer Geige das Ave Maria, in das sich das Quaken der Frösche aus einem nahen Tümpel mischte. ,, Sancta Maria, ora pro nobis, nunc et in hora mortis nostrae", schluchzten die Saiten in des Pußtasohnes Hand, und mit von Tränen verschleierten Augen gingen wir auseinander.

Der Maienabend war mild, und ich beeilte mich nicht sonderlich, um in meinen Block zu kommen. Unser grüner Blockältester hatte uns das Leben in der Baracke zur Hölle gemacht. Er war ein Zuchthäusler von der Wasserkante und ein nicht geringerer Verbrecher als die SS­Henker. Jede Baracke hatte einen Blockältesten, der einem Blockschar­führer für Ordnung und Sauberkeit innerhalb seines Bereiches verant­wortlich war. Dieser Blockälteste prügelte uns bei jeder Gelegenheit wie Vieh, und alte Leute, die nicht schnell und gewandt genug waren für die täglichen Blockarbeiten oder ihm sonst irgendwie mißfielen, schlug er tot. Im Sommer bekamen wir einen 68 Jahre alten Mann, der kränklich war und nachts seinen Strohsack infolge seiner schwachen Blase verunreinigte. Jeden Morgen erhielt er vom Blockältesten oder seinen Gehilfen Prügel. Aber sterben wollte der Alte nicht, und so wurde er täglich geschlagen, bis er im Dezember in das Häftlingsrevier eingeliefert wurde. Dort gab man ihm eine Spritze, und am nächsten Morgen konnte er endlich den Weg ins Krematorium antreten.

Dieses Revier war mit einer Lotterie zu vergleichen. Wer dort eine Niete zog, der bekam eine Spritze und ging in die ewigen Jagdgründe ein, und wer Glück hatte und einen Gewinn zog, der kam wieder lebend aus diesem Revier heraus. Deshalb wurde das Krankwerden von allen Häftlingen gefürchtet, und keiner ging freiwillig in diese ,, Him­

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