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Henker und Heilige : eine Erzählung aus unseren Tagen / Paul Kowollik
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sen, und namentlich Karl nannte ihnen einen religiösen Narren. Die Bibelforscher hatten sich aber die Achtung aller Lagerinsassen in kurzer Zeit zu erwerben gewußt. Sie waren religiöse Fanatiker, die sich aus allen Drohungen und Martern der Lager- SS nichts machten. Der Lager­kommandant quälte sie mit sadistischer Grausamkeit. Sie aber priesen ihren Gott Jehova und dankten ihm für alle Leiden, mit denen er sie prüfte. In ihren Blocks herrschte Disziplin und christliche Brüderlich­keit, und so oft ich diese Menschen sah, mußte ich an die ersten Christen denken. An die Stelle des damaligen heidnischen Roms war das noch heidnischere Nazi- Reich getreten. Das Kolosseum war ein KZ geworden, und die wilden Tiere des römischen Amphitheaters waren hier mit Pistolen und Peitschen ausgerüstete SS - Soldaten. Es hatte sich in den verflossenen zweitausend Jahren kaum etwas geändert. Gleich den ersten Christen stritten diese Menschen um die Krone des Mar­tyriums, und waren sie auch nicht unseres Glaubens und unserer An­schauungen, so muteten sie uns wie Heilige an, obwohl unser Geschick sich in nichts von dem ihrigen unterschied. Und doch nannten sie viele von uns Narren, weil uns das Gesetz der christlichen Feindesliebe, das die Zeugen Jehovas auch auf die SS übertragen wissen wollten, hier unanwendbar erschien. Uns vielmehr drängte sich das alte Gesetz auf: ,, Aug um Aug, Zahn um Zahn", und nur unsere Ohnmacht hinderte uns daran, unseren Peinigern die Augen auszustechen und ihnen beim lebendigen Leibe die Eingeweide herauszureißen. Da wir die An­schauungen unseres Freundes Ernst kannten, lenkten wir das Gespräch auf alltägliche Dinge, um ihn nicht in die Versuchung zu führen, einen religiösen Vortrag vom Stapel zu lassen.

Im Westen rüstete sich die Sonne zum Abschied, und unser Arbeits­kommando löste sich langsam auf. Die Häftlinge eilten in ihre Ba­racken, und ich schlenderte allein der meinigen zu. Zwischen den hohen, das erste zarte Grün tragenden Buchenbäumen wob die Nacht ihre dunklen Schleier, und eine wohltuende, himmlische Ruhe umgab mich. ,, Über allen Wipfeln ist Ruh", kam es mir in den Sinn, und ich hätte vergessen können, wo ich mich befand. Ich lenkte meine Schritte zu den roten Blöcken, von denen einige in Stein aufgeführt waren. Vor

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