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Henker und Heilige : eine Erzählung aus unseren Tagen / Paul Kowollik
Entstehung
Seite
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meinen verborgenen Schatz aushändigen, und wenn in unserem deut­schen Vaterlande die Morgenröte der Freiheit wieder angebrochen ist, dann wirst du zum Vollstrecker meines Willens werden. Dies ist meine große Bitte an dich!"

Am Abend des folgenden Tages gingen Franz und ich zu Niura. Wir trugen zu ihr unsere schmutzige Wäsche, Brot, Drops und für den Vater etwas Schnaps. Es war ein ruhiger Sommerabend, und zwischen Getreidepuppen erreichten wir Niuras Erdloch. Die Behausung lag an einem Bergabhang und barg in ihrem Innern alten Trödelkram, der den ganzen Besitz der Familie darstellte. Vor dem Erdbunker hatte der Vater eine Bank gezimmert, auf der Niura neben uns Platz nahm. Sie begrüßte uns freundlich, und ihre dunklen Augen hatten einen sammet­weichen Glanz, als sie Franz die Hand gab. Ihre schlanke Gestalt glich einem Reh, und ihre anmutigen Bewegungen waren geeignet, sie eher in die Räume eines vornehmen Pensionats zu verweisen, als in die armselige Behausung eines Kolchosarbeiters. Sie war wenig über 20 Jahre alt und hatte an der Lehrerakademie in Kalenin das Examen bestanden, als der Krieg ausbrach. Ihren einzigen, 16jährigen Bruder hatte man im Frühjahr wegen Diebstahls von Heeresgut standrechtlich erschossen, und fast jeden Tag sah ich Niura, wie sie mit ihrer Mutter am Grabe des erschossenen Aljusch weinte. Seit der Exekution des Knaben war das Lachen von ihr gewichen, und die Mutter erzählte mir einmal, daß Niura wie ein Pflanze, an der ein giftiger Wurm nagt, langsam abzu­sterben begann. Franz brachte dann die große Wendung, als er in der Ortskommandantur Dolmetscher geworden war. Er begann sich für den Fall zu interessieren und stellte fest, daß Aljusch tatsächlich gestohlen hatte. Es waren allerdings nur eine Taschenlampenbatterie und einige Zigaretten von dem Knaben mitgenommen worden, aber da Menschen­leben sehr billig waren, so wurde der junge Aljusch in einer Schlucht zusammengeknallt. Niura war dann später wegen einer Prschepustka auf die Kommandantur gekommen, weil in der Kirche zu Reschew der Pope ein Totenamt für das Seelenheit des Erschossenen halten sollte. Franz verschaffte ihr das gewünschte Papier. Als er Niuras Augen sah, da glaubte er in ihnen das ganze Leid dieses Landes erblicken zu kön­

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