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seitigen. Der Einsatz für die Errichtung einer Friedensorgani­sation darf nicht gelähmt werden durch das Damoklesschwert eines dräuenden neuen Krieges. Daß das Wirken für die Auf­richtung und Festigung einer solchen Generation keine Sisyphus­arbeit werde, muß Aufgabe der ehemaligen politischen Kon­zentrationäre sein.

Mag der Weg zur Erreichung des hohen Ziels: dauernder Friede allen Völkern, schwierig erscheinen, so darf es doch keinen abschrecken, ihn zu betreten. Wer die Schrecken des Konzentrationslagers erlebte, muß auch den ehrlichen Willen bekennen, jenen Regierungen den Kampf anzusagen, die noch Konzentrationsläger einrichten oder unterhalten. Nicht einen Augenblick zweifle ich daran, daß die von mir vorgeschlagene internationale Organisation der ehemaligen politischen Konzen­trationäre zur Sicherung des Weltfriedens zu einem Machtfaktor werden kann, wenn ein ernster Wille vorhanden ist, sich durch­zusetzen und zu behaupten.

Im Konzentrationslager Sachsenhausen- Oranienburg waren die Angehörigen von 42 Nationen zusammengetrieben, die sich in 36 Sprachen verständigen mußten. Es gelang, sie alle auf einen Nenner zu bringen, in welchem dokumentiert ward: Nie wieder Konzentrationsläger, nie wieder Krieg, wir haben genug von beiden. Freiheit wollen wir und Frieden!

Die in den Konzentrationslägern geschlossene Freundschaft hat auch heute noch Bestand. Mit unzähligen Kameraden aus fast allen Ländern bindet mich heute noch die Korrespondenz, die mir stets aufs neue beweist, wie unverbrüchlich der Zu­sammenhalt ist, der einst unter den bittersten Verhältnissen und Zuständen im Konzentrationslager geschmiedet wurde. Über Ländergrenzen, Zonen, Meere und Gebirge hinweg müssen sich die ehemaligen politischen Konzentrationäre die Hände reichen, wie sie es taten in der Zeit ihrer tiefsten Erniedrigung. Dessen bin ich sicher, daß meinem Rufe tausende ehemalige KZ- Kame­raden aus allen Ländern zustimmen werden und aufatmend bekennen, an diesem Werk der Völkerverständigung mit dem Ziele: Friede der Menschheit für alle Zeiten, mitzuwirken.

Seit einem Menschenalter wohne ich in einem Grenzgebiet, wo die Meinungen und Interessen zweier Nationen aufeinander­stoßen. Sie achten einander und tauschen ihre Kultur auf allen Gebieten miteinander aus. Niemand denkt daran, daß dieses Nebeneinanderwohnen und-wirken feindliche oder gar kriegerische Verwicklungen geben könnte. So soll und muß es an allen Grenzen sein Grenzen sollen nicht trennen, son­dern binden und den Angehörigen aller Nationen Eigenleben, Freiheit und Frieden gewährleisten.

Meinen Aufruf schließe ich mit dem Wunsche und der Aufforderung an alle ehemaligen politischen Konzentrationäre, die jahrelang gemeinsam gelitten, für Leben und Freiheit alles einsetzten: Verankert diese Solidarität der Kameraden zu einer Union der Freundschaft, der Freiheit und des Friedens!

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Heinrich Lienau

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