Kugel zu geben. Auch haben sie darauf verzichtet, die tod- bringende Zyankali-Ampulle zu zerkauen, obwohl sie einen kompletten Giftschrank, der in einer Apotheke sichergestellt wurde, mit nach Flensburg gebracht hatten.

Rekapitulieren wir in Stichworten:

Der Morgen des 25. Mai graut. Auf einer Wiese werden dis Kolonnen gesammelt, Offiziere von den Mannschaften ge- trennt. Mansieht Dönitz an das Auto gehen, das ihn zum nächsten Flugplatz bringt: Schleswig-Holstein -AktionMünzel- burg-Lager. Sämtliche Wehrmachtsangehörige, 2000 an der Zahl, werden als der klägliche Rest der ehemaligen Hitler -Armee in Marsch gesetzt, durch Flensburg geführt und in die In- ternierungsläger der Landschaft Eiderstedt gebracht, die zu- nächst als Auffanglager dienten. Bewachung: Zwei Straßen- panzer. Dönitz wartet Nürnberg entgegen Die letzte Bastion des OKW als Enklave Flensburg-Mürwik, inmitten des Alli- ierten Besatzungsgebiets, ist gefallen.

Millionen Soldaten von der Ost- und Westfront zurück- gewichen, haben Schleswig-Holstein überflutet. Die deutschen Verbände werdeneingefroren, wie der Engländer es nennt. Sie dürfen ihre Standorte nicht verlassen. Sie zu internieren, ist zunächst transporttechnisch nicht möglich. Am 8. Mai ist die bedingungslose Kapitulation in Kraft getreten; am 15. Mai noch halten als Heeressoldaten verkleidete. Waffen-SS -Einheiten in den Orten längst der dänischen Grenze Kompanie-Appelle ab, legen sich Armbinden mit der Aufschrift ‚Post an und machen sich an Leitungen und Masten zu schaffen. Dann durch- dringen Jeeps und Panzer das dünne Straßennetz und machen dem Spiel ein Ende.

Nur in Mürwik träumte man noch weiter bis zum 23. Mai 1945. Dieser Tag brachte das Ende der großen Laufbahn des kleinen Mannes mit dem Micky-Maus-Gesicht, der 1939 als schlichter Kapitän in den Krieg gezogen war und den sein Ehrgeiz trieb, bis zum Nachfolger desFührers aufzusteigen, der den letzten Akt des ‚Tausendjährigen Reiches beendete, in der von Hitler zur Hauptstadt erhobenen Stadt Flensburg , symbolisiert durch einen Schiffsfriedhof größten Ausmaßes. Hunderte Wracks torpedierter und gesunkener Schiffe, darunter mehr als fünfzig U-Boote mit ihren Besatzungen lagen auf dem Grunde der Innen- und Außenförde, gleichsam auch hier den Untergang der Seemacht zeichnend, der Dönitz gedient, sie kom- mandiert und sie mit des Dritten Reiches Herrlichkeit ver- sinken sah.

Sic transit gloria mundi!