)l- al n

IE {te je- on

1e- te, In er nd

sei

Der Kalender verzeichnete den 23. Mai 1945.

Eine Panzerbrigade besetzte ein Dutzend Straßenkreuzungen an der Flensburger Förde , ein paar hundert Militärposten mit rotem Mützenüberzug springen von ihren Fahrzeugen, bilden im Laufschritt eine Kette und umstellen. die Marineschule Mür- wik. Britische Panzerkanonenen richten sich auf Kasernen und im Gelände verstreute Unterkünfte Ein paar Dutzend Generäle erwachen aus ihrem letzten behaglichen Schlummer. Die Ope- rette, die Posse, ist aus.

Mitten in den Betriebsdienst, Fahrzeugpflege, Befehlsausgabe und Wachablösung platzen am 23. Mai gegen Mittag die bri- tischen Panzer- und Polizeikolonnen. Der Traum, den fröh- lichen Betrieb nach bewährter Kasernenmanier auf Wochen, vielleicht auf Monate weiterführen zu können, ist ausgeträumt. Die Generale müssen sich mit dem gleichen Tempo aus ihren Unterkünften hinausbemühen, wie die Soldaten. Maschinen- pistolen ermuntern die Funker, aus ihren Wagen zu klettern, und die Panzerleute der Division ‚Großdeutschland, die sich als Ordnungstrupp stark gemacht hatten, wurden bescheiden und sammeln sich still. Offiziere protestieren. Die Hoheit des deutschen Oberkommandos über die Enklave sei von den Alli- ierten garantiert.Shut up and go on! sagten die Tommy- Polizisten mit den roten Mützen, ohne eine Miene zu verziehen.

Es war die SHAEF(Supreme Headquarter Allied Expedition Forces), eine Kommission von amerikanischen, britischen und russischen Offizieren, welche so unvermittelt in das geruhsame Spiel der Marionettenregierung hineinfunkte. Alles war konsler- niert. Was war nun geschehen und was wird werden. Es kam nicht mehr zu einer Kabinettsitzung, Führerbesprechung, Be-

fehlserteilung und dergleichen mehr. Jetzt hieß es aller- dings in sehr verbindlicher Weise Vorladungen nachzu- kommen.

DerRegierungschef Dönitz wird an Bord gebeten. Er eing und war sich darüber klar, daß diese Einladung seiner Verhaftung gleich kam. Admiral von Friedeburg folgte der Einladuno nicht. Er hatte es vorgezogen, in einem Waschraum des Kommando-Gebäudes seinem Leben selbst ein Ziel zu setzen.

Ein gleiches Ende nahm der ebenfalls nach Flensburg getürmte Reichsjustizminister Dr. Thierak. An denKabinetts- Sitzungen hatte er nicht teilgenommen, sondern es vorgezogen, solo zu gehen. AufSchloß Rotenstein, dem Flensburger Ge- richtsgebäude, hatte er nebst Tochter im Amtszimmer des Landgerichtspräsidenten Stiemke Quartier bezogen. Vierzehn Tage währte hier noch für ihn die Galgenfrist, bis auch er von der Military Police in ein anderes Privatquartier gebracht wurde. Dr. Thierak, wissend, was die HitlerJustiz zu Wege gebracht hatte, mochte schon ahnen, was ihm selbst nun be- vorstand, weshalb er sich dem irdischen Richter entzog. Die Öffentlichkeit hat kaum etwas von seinem Selbstmord erfahren.

Von den nach Flensburg geflüchteten Naziführern hat keiner den Mut aufgebracht, die Konsequenz zu ziehen und sich eine

245