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die tägliche halbe Dose Fleischkonserve teilte nach Flensburg abgesetzt hatte(während noch Tausende von Soldaten in um- gekehrter Richtung zum„Kampf um Berlin “ in Marsch gesetzt wurden), hatte es fertig gebracht, mit einigen auf der Land- straße aufgelesenen Funkern und Fernsprechern eine ‚Nach- richtenabteilung— Reich“ aus dem Boden zu stampfen. Auf- trag: Nachrichtenverbindung mit den deutschen Stäben, die unter Shukow, Montgomery und Eisenhower die Auflösung deut- scher Truppenverbände leiteten.
In Twedterholz und an der Förde fuhren Funkwagen auf. Nur mürrisch nahmen die Funker noch einmal die Kopfhörer um— aber sie taten es, denn sie wollten lieber in ihren Wagen. hocken und morsen, als in die Lager gehen, aus denen so schnell kein Weg wieder hinausführte. Fernsprechbautrupps wur- den ausgesandt, Funktrupps aufgestellt, die nach Krefeld zu Eisenhower , nach Lüneburg zu Montgomery, nach Berlin zu Shukow abrücken sollten. Ein Major, ehemals Nachrichten- kommandant im„‚Führerhauptquartier“, sprach von Mannes- zucht, Haarmähnen, Einsperren. ‚Freikorps Deutschland“, sagt ein Oberleutnant und streckt das Kinn vor, um aber doch eine halbe Stunde später seine Pistole in die Förde zu werfen. Funk- verbindungen kommen tatsächlich zustande.
Ein General aus dem Westen beschwerte sich, daß ihm die Alliierten eine untergeordnete Funktion bei der Rückführung und Entwaffnung von Verbänden zugewiesen hatten. Jodl ließ zurücksenden:„Beruhigen Sie sich, auch Sie sind nur ein Huhn, das noch ein Ei legen will, um dann in. der Suppe gekocht zu werden,“
Bei der ‚Dönitzoperette“ auf der ‚Patria“ hatte Himmler nur im ersten Akt, und zwar in der ersten Szene, mitgewirkt. Dann war es ihm ratsam erschienen, hinter den Kulissen zu verschwinden und sich um die Sicherheit seiner eigenen Person zu sorgen, wie schon bemerkt wurde. An seine Stelle trat dann bald ein anderer Mitspieler, damit das Stück seinen Fortgang nehmen konnte. Als die Parlamentäre am 5. Mai in Mürwik erschienen, war Himmler schon ausgeschieden und auf Solo- Tournee gegangen. Weniger aktiv in der Besetzung war der General-Quartiermeister Toppe, der bei der späteren Vernehmung durch die Offiziere der Alliierten nur über Bestände und Lager- werte der deutschen Wehrmacht Auskunft zu geben hatte.
Die Regierungsbesatzung auf der„Patria“ hatte sich nach der Kapitulation um einige Mitglieder erhöht; es waren höhere Oftiziere der Alliierten, die als Beobachter kommandiert wur- den, im übrigen jedoch Dönitz mit seiner„Regierung“ ungestört Beiehle erteilen'iießen. Es fiel auch mir nicht schwer, zur „Patria“ Zutritt zu erhalten, dank meines Neffen, der in der Uniform eines Oberfähnrichs Dolmetscherdienste bei den Eng- ländern leistete. So nebenbei wurde mir erzählt, daß noc am 17. Mai ein Kapitänleutnant auf Dönitz Befehl erschossen worden sei. Ob dieses auf Wahrheit beruhte, interessierte mich nicht, angesichts der Tatsache, daß die Nazis Massenmorde an Millionen Unschuldiger ausgeführt hatten.
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