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bei den nachrückenden sowjetrussischen Truppenverbänden zu melden und dort vorläufig Schutz und Verpflegung zu finden. So entgingen sie den Fängen der mordenden SS- Begleitmann­schaften.

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Der Stadt Schwerin fiel die Aufgabe zu, diese ungeheuren Flüchtlingsmassen unterzubringen und zu verpflegen, was auch in den nächsten Tagen gelang. Da alle Häftlinge ohne Legiti­mationspapiere waren diese hatte die Lager- SS vernichtet-, wurden von der Schweriner Stadtverwaltung vorläufige Per­sonalausweise ausgefertigt, damit jeder zunächst imstande war, sich Lebensmittelkarten zu beschaffen. Zudem wurden jedem Häftling RM 100,- ausgezahlt, um für die nächsten Tage die Kosten des Aufenthalts bestreiten zu können.

Schon nach wenigen Tagen fiel es auf, daß die freigekom­menen Berufsverbrecher es verstanden hatten, sich zunächst einmal als ,, Politische" registrieren zu lassen; auch SS - Mann­schaften in der Kleidung ermordeter Häftlinge konnten mit Aus­weisen als ,, Politische" aufwarten. Nicht nur mit einem Aus­weis begnügten sie sich, nein sie besaßen zwei und mehrere Ausweise auf verschiedene Namen lautend, die an den Schal­tern ohne Bedenken ausgeliefert wurden. So brandschatzte das BVer- Häftlings- und SS- Verbrechergesindel gemeinsam die Ein­wohnerschaft Schwerins und die freigewordenen politischen Häftlinge in der skrupellosesten Weise.

Bei meinen täglichen Rapporten, die ich der im Schwe­ riner Justizpalast untergebrachten amerikanischen Militärpolizei erstattete, brachte ich auch die skandalöse Symbiose dieser beiden Verbrechergruppen zur Sprache. Es wurde sofort ein Streifendienst der Militärpolizei und ehem. politischer Häftlinge organisiert, um vor allem die sich versteckt haltenden SS - Leute aufzuspüren und zu verhaften. Da das Verbrechergesindel von der einen in die andere Kaserne, die als Quartier diente, unter verschiedenen Namen wechselte, ergaben sich ungeheure Schwie­rigkeiten, deren wir jedoch bald Herr wurden. Schon unseres Rufes wegen hatten wir ehem. politischen Häftlinge ein Inter­esse daran, uns von den gleichfalls aus dem Konzentrations­lager freigekommenen Berufsverbrechern zu distanzieren.

Die Zellen im Schweriner Gefängnis füllten sich, wie vor­dem die Baracken im KZ. Die Zahl der verhafteten SS - Mann­schaften war über Erwarten groß. Nun konnten sie am eigenen Leibe erfahren, was es hieß, auf engstem Raum zusammen­gepfercht zu sein und es mit Wassersuppen vorlieb nehmen zu müssen. Die mit ihnen zusammengewürfelten BVer- Kumpane konnten hier weiter fifty- fifty in Wassersuppe und Brot machen, wie sie es im KZ mit Diamanten, Juwelen und Devisen im Austausch gegen Spirituosen und Zigaretten so ausgezeichnet ver­standen hatten, sich gegenseitig zu überfahren".

Wenige Tage nach der Besetzung West- Mecklenburgs durch die amerikanischen Truppen wurde die Einwohnerschaft auf­gefordert, an einer Begräbnisfeierlichkeit teilzunehmen. In einem Lager bei Hagenow wurden die Leichen von etwa 200 verhungerten Häftlingen aufgefunden, die nun nach Schwerin gebracht und dort beigesetzt wurden. Die Bevölkerung hatte

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