verstorben waren. Die entrindeten Bäume und Büsche zeugten davon, daß die Armsten sich von Baumrinden zu ernähren versucht hatten. Hier und dort ragte noch eine nicht mit Erde bedeckte Knochenhand zum Himmel empor; die nachfolgenden Einscharrungskommandos hatten wiederum zu tun, die Opfer endgültig zu begraben.
Wir waren mit unserer Kolonne vom Wege abgekommen und trafen bis zum Dorf Grabow nur wenige Leichen erschossener Häftlinge. Beim Sammeln im Dort konnten wieder Verluste in den eigenen Reihen festgestellt werden. Sie waren am Wege liegen geblieben, weil sie nicht mehr die Kraft hatten, sich zu erheben, die SS - Hyänen erledigten sie nach gewohnter Manier. Im Dorf wurden Musterungen abgehalten. Wer nicht mehr marschfähig war, sollte mit Autos des inzwischen eingetroffenen deutschen Roten Kreuzes abtransportiert werden. Nur zögernd meldeten sich die Marschunfähigen, wissend oder ahnend, daß die deutschen Roten Kreuz- Autos sie sicher zu den nächsten Vergasungsöfen bzw.-stätten fahren würden. So schlecht war der Ruf des deutschen Roten Kreuzes geworden.
Im Dorf Grabow waren inzwischen auch der bisherige politische Lagerälteste Georg Wieben vom Krankenbau Sachsen hausen und weitere Pfleger eingetroffen, die uns berichteten, daß beim Abmarsch noch mehr als tausend nicht transportfähige Kranke im Revier gewesen seien. Die SS war getürmt, und so hatten die Politischen die Verwaltung und Versorgung des Reviers übernommen.
Die dort verbliebenen Insassen wurden in den Morgenstunden des 22. April 1945 von russischen Truppen befreit. Beim Morgengrauen brachte ein in der Nähe vom Krankenbau geflüchteter Häftling die Nachricht, daß die gesamte SS in Autos geflüchtet sei und er das Tor unbewacht gefunden habe. Bald darauf kam ein russischer Soldat und setzte die Glocke, welche bisher zum Appell gerufen hatte, in Bewegung.
Die Insassen des Krankenbaues, sofern sie noch gehfähig waren, umringten erfreut den Soldaten, zu dem sich noch bald ein Vortrupp berittener Kosaken gesellte. Nach Besetzung des KZ wurde sofort für eine hinreichende Verpflegung und Behandlung der Kranken gesorgt, und vor allem die Bestände der SSMagazine, Keller usw. zur Verfügung gestellt. Nicht allen Unterernährten ist diese plötzliche und gute Kost bekommen; sofern sie nicht Maß zu halten verstanden, verschlimmerte sich ihr Leiden und ihr Zustand, und nicht wenige der Schwerkranken starben an der guten Verpflegung.
Von Grabow schleppten sich die hungernden Häftlinge weiter durch die Sandwege, ohne die Möglichkeit zu haben, Eẞbares zu bekommen, bis zum Landstädtchen Freyenstein , nach dessen Durchschreiten wieder am Wegesrand Halt gemacht wurde. Einige Kartoffelmieten gaben noch von ihrem Inhalt her und vertrieben das Hungergefühl für die nächsten Stunden. Kurz vor Meyenburg wurde am späten Abend in einem Dorfe gerastet und von den Bauern einige Scheunen als Quartier zur Verfügung gestellt. Der Lagerführer Körner,
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