mit dem nötigen Hausrat beladen, einschließlich Kleinvieh und mitgeführten Pferden, Kühen, Kälbern, Ziegen und Schalen. Ein alter Großvater wurde in einem Rollstuhl von seinen Enkeln gefahren, seine geretteten Habseligkeiten vor sich auf dem Schoß haltend. Daneben zu Fuß die noch rüstige Großmulter mit einem Korb, der einige Lebensmittel im Kochtopf barg.

Dann folsten wieder KZ-Leute, die einen andern Marsch- befehl hatten und umgeleitet wurden. Bald darauf rollten Panzer der Wehrmacht über das Pflaster, besetzt mit einigen Soldaten und Flüchtlingen beiderlei Geschlechts. Auch Kinder hatten auf den Panzern Platz genommen. Es war einfach unmöglich, das bunte Bild festzuhalten, welches sich dem Be- schauer an der Wegekreuzung bot. Bilder, die selbst Menschen mit stärksten Nerven erschüttern mußten. Wochenlang schon wogten die Flüchtlingsströme durch diesen Engpaß, und einige Tage würde es noch dauern, bis die letzten diese Stätte pas- sierten; inzwischen waren die Russen schon erheblich näher gerückt.

Während des dreitägigen Quartiers im Flecken Zechlin kamen am 24. April 1945 mehrere Autos des Internationalen Roten Kreuzes, welche an die KZler Pakete verteilten, die von der SS entgegengenommen wurden. Ich hatte Gelegenheit, den Transportleiter der R. K.-Autos darüber aufzuklären, daß die SS bisher die Roten Kreuz-Pakete beraubt hatte, und wir als Häftlinge fast nichts davon erhielten. Weiter konnte ich ihm Mitteilung machen von den Massenmorden an. Häftlingen, die nicht mehr marschfähig waren und bat ich darum, diese Vor- kommnisse an der zuständigen Stelle zu melden, was er auch zusagte,

Nach dem Abrücken vom Flecken Zechlin wurde im Dorf Dranse Quartier gemacht, wo die SS uns einen Teil der Roten Kreuz-Pakete auslieferte. Zehn Mann erhielten ein Paket, ob- wohl für jedes Paket zwei Mann vorgesehen waren. Was im Dorfe Dranse nicht Unterkunft fand, quartierte sich in einer Feldscheune in der Nähe des Dorfes ein, wo sich reichlich Kartoffelmieten befanden, die von den Hungernden geplündert wurden, Bis zum Eintritt der Dunkelheit flackerten die Feuer, in denen rohe Kartoffeln geschmort wurden.

Von den getrennt marschierenden Kolonnen, mit denen wir dauernd Verbindungen aufrecht erhielten, wurde inzwischen bekannt, daß auf dem Wege nach dem Dorfe Grabow und zwar im Walde beim Forsthaus Below, der Hungertyphus aus- gebrochen sei, und dort Hunderte von Häftlingen zugrunde ge- gangen wären, weil sie weder EB- noch Trinkbares erhielten, Selbst die Brunnen wurden ihnen gesperrt. Für Pflege der Kranken sei überhaupt nicht gesorgt, und ebensowenig für Un- terkunft, Unter Sträuchern und Laubhütten: mußten die Häft- linge hausen.

Auf dem: Wege. über Berlinchen wurde nach einigen Tagen dieser Seuchenforst auch von unserm Marschtrupp erreicht; wir fanden die uns gewordenen Mitteilungen nicht nur bestätigt, sondern mußten zudem an den nur notdürftig verscharrten Leichen noch feststellen, daß unsere Kameraden am Hungertod

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