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Man brachte die ,, Gewitter"-Leute mit dem Attentat auf Hitler in Zusammenhang und füllte mit ihnen die KZ- Läger zum Bersten. Neben diesen Angehörigen der Linksparteien kamen scharenweise Angehörige aller Parteien und auch Unpolitische ins Lager, weil man ihnen nachsagte, sie hätten ihr Bedauern über das Mißlingen des Attentates auf Hitler zum Ausdruck gebracht,
Doch nicht nur das KZ innerhalb der Mauern füllte sich nach dem 20. Juli, nein, auch der Industriehof. Zu ihm wurden täglich, auch in der Nacht, zu Hunderten jene Personen geführt, die im Verdacht standen, von dem Attentat etwas zu wissen oder sich in einer Weise geäußert hatten, die auf Sympathie für die Attentäter schließen ließ. Die SS- Verbrecher hatten große Tage; zu Hunderten wurden diese Unglücklichen und Unschuldigen erschossen, ohne daß jemand deren Namen erfahren konnte. Die Schlote der Verbrennungsöfen im Krematorium rauchten Tag und Nacht, um die Ermordeten zu beseitigen.
Das schon längst überfüllte Lager wurde durch die neuen Zugänge derart weiter belegt, daß in den Baracken die Betten zu vieren übereinander standen; jedes Bett wurde mit zwei Mann belegt. Selbst die täglichen Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze dienten als Schlafplatz. Mit der Verschlechterung der Unterbringung kam die Verringerung und qualitative Beschaffenheit der Verpflegung.
Die ohnehin schon sehr kalorienarmen Kohl- und Wurzelbzw. Rübensuppen wurden zu ausgesprochenen Wassersuppen. Die Brotrationen, welche bisher 375 g pro Mann und Tag betrugen, wurden bis Ende 1944 auf 300 g und bis April 1945 auf 200 g reduziert. Die Portionen( Margarine, Marmelade, Wurst oder Käse) sanken gleichfalls um mehr als die Hälfte. Der Gesundheitszustand der Lagerinsassen verschlechterte sich infolge dieser verknappten Rationen außerordentlich, namentlich traten schwere Nierenerkrankungen auf; die geschwollenen Glieder, der Leib der Kranken bewiesen die Ansammlung von Wasser, welches die Nieren nicht auszuscheiden vermochten.
Wie bedrohlich die Lage in Berlin geworden war, bewies am deutlichsten die Tatsache, daß bei der Verknappung aller Haushaltsgüter die Diebstähle und Räubereien einen ungeahnten Umfang annahmen. Not kennt kein Gebot, und der Hunger treibt die Menschen zu Taten, zu denen sie sonst unter normalen Verhältnissen nicht fähig wären. Die Polizei konnte sich der Überfälle nicht mehr erwehren oder war auch nicht willens weiter mitzumachen, die Hungernden niederzuschlagen, weil sie selbst Hunger litt. Es folgten Sonderaktionen des SD. Massenverhaftungen aller derjenigen, welche mit Recht gegen die Hungerrationen und den Hunger überhaupt rebellierten.
Kolonnenweise brachte man die Hungernden ins KZ, zum größten Teil junge Burschen, kaum der Schule entwachsen. Zerlumpt, ausgemergelt kamen sie ins Lager unter einer Bezeichnung: Terroristen. Mit einem schwarzen Kreuz auf der Stirn wurden sie gezeichnet und zunächst wie das Vieh in eine Baracke der Isolierung getrieben, wo kaum Platz zum
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