suchung ins Revier kam zur Beobachtung-- und eine Spritze erhielt, die ihn für die Leichentransportkarre fertig machte und dann nach wenigen Tagen als präpariertes Skelett zum Verkauf stand. Das waren alles Dinge, die man auf ver- botenen Streifzügen zwischen den Baracken erfuhr.

Nicht immer war es möglich, von einem Block zum andern zu gehen, um dort einen Bekannten zu besuchen. Wenn über einen Block etwa wegen Scharlach usw. die Quarantäne ver- hängt wurde, was sehr oft vorkam, dann mußte jeglicher Ver- kehr mit den Insassen unterbleiben und nur in den Abend- stunden war es möglich, sich per Distanz am Fenster'zu unterhalten und mitzuteilen, was sich Wissenswertes im Lager zugetragen hatte,

Ja, Wissenswertes mußte von Seiten der Politischen häufig weitergegeben werden. Da gab es viel Neues aus demVöl- kischen Beobachter, den wir ‚Die Ausgabe für Kinder nannten, weil er doch zu häufig und ununterbrochen Artikel brachte, denen nicht einmal Kinder Glauben schenken konnten, viel weniger diealten Hasen im KZ zu überzeugen ver- mochten,

Inserate und Artikel wurden mit größtem Eifer, aber auch mit allzugroßer Vorsicht, gelesen und an Interessenten weiter- gegeben, damit sich jederein genaues Bild über die allge- meine Lage und über die bisherige politische Entwicklung machen konnte. Was bisher nicht passiert war, die Zeitung der Nazis brachte etwas nie Dagewesenes, ein Inserat, wenn Tote heiraten:

Hiermit zeige ich die heute vollzogene Vermählung mit dem am 17. 2. 1944 gefallenen Oberleutnant Hermann Krause an

Hannchen Krause, geb. Meyer.

Berlin , den 5. 5. 1944.

Ja, in dem zukünftigentausendjährigen Reich Adolf Hitlers war es schon möglich, Tote heiraten zu lassen. Viel- leicht hätten besonders begünstigteNazibonzen im Ablauf einer gewissen Entwicklungsperiode der NSDAP auch noch, wie zu Jesus Zeiten, Tote zum Leben erweckt.

Die OKW :Berichte und Siegesmeldungen in der Pressi trugen den Stempel des baldigenEndsieges. Wenn nicht alle feindlichen Flugzeuge im Kampfraum ın der Luft ab- geschossen werden konnten, so wurdeder Rest am Boden zerstört, Hatte es der Feind verstanden, unsere kämpfenden Truppen zu übervorteilen, dann mußte von unserer Seite auch etwas getan werden.Einigeln wurde befohlen und so konnte man bald die hochtönenden Redensarten hören: Der Feind sieht seiner Vernichtung entgegen, denn durch dieSehnen- verkürzung waren wir in der Lage, ihneinzukesseln. Man könnte noch unzählige Beispiele dieserKriegsnachrichten anführen; doch nun genug davon, denn die meisten Zuhörer und Leser wußten und sahen schon, wohin unserKriegsschitf-

lein segelte: 189