Der weitaus größte Teil dieser zu langjährigen oder gar lebenslänglich Verurteilten hielt das Lagerleben nicht allzulange aus. Sie waren im Zuchthaus an ein geruhsames gleichmäßig ablaufendes Leben gewöhnt und dort als Menschen behandelt worden. Hier änderte sich alles von Grund auf. Die geheizte Zelle und die bessere Verpflegung wie auch die Behandlung wurde ersetzt durch unmenschliche Behandlung, Kälte und unzureichende Verpflegung.

war.

Schon in den ersten Tagen starben die Sicherheitsver­wahrten und langjährigen Zuchthäusler dahin wie die Fliegen, Es weil die totale Umstellung für sie unmöglich war sichtbar, daß von Seiten Himmlers durch ,, Verlagern" dieser Kriminellen ins KZ deren beschleunigtes Ableben gewollt war. Von den Politischen wurden ihnen auch keine Tränen nachgeweint. Wer sollte denn überhaupt noch ein Interesse an den stereotypen Feinden der menschlichen Gesellschafts­ordnung haben, Elemente, die jegliche Staatsform unterminierten und mit den Nazis zusammen die Kämpfer für politische Frei­heit verrieten und ihnen den Tod brachten.

Für die Politischen galt der Zusammenhalt unter sich als höchste Pflicht, die Stärkung der Kampfmoral selbst unter den schwierigsten Verhältnissen, wie sie eben nur ein KZ mit sich brachte. ,, Kopf hoch!" war die ständige Losung; denn einmal mußte der Tag kommen, der uns allen die Freiheit bringen mußte. Mochten auch die Lautsprecher und die im Lager gelesenen Nazi- Zeitungen täglich von den ,, unersetzlichen Ver­lusten und der gesunkenen Kampfmoral des Feindes" berichten, niemals konnten sie das Vertrauen der Politischen auf ein Be­enden dieses elenden Daseins erschüttern.

Mochten die deutschen Truppen noch tiefer in Rußland vordringen, Balkan und Nordafrika besetzt werden, es machte keinen Politischen sowie die mit ihm sympathisierenden Ka­meraden mutlos, selbst nicht die Ausländer, in deren Heimat­ländern die Waffen- SS hauste. Anders die SS- Führung, die in allen diesen Siegen sich dem Ziel: Endsieg über alle Völker- näher sah wie je zuvor. In ihrer Siegerlaune glaubte sie dann auch einmal eine billige Geste zu zeigen dadurch, daß kleine Erleichterungen im Lager geschaffen und zugelassen wurden.

Es wurde erlaubt, Unterhaltungsnachmittage zu veranstalten, und so sah man dann in der zur Verfügung gestellten Trock­nungsbaracke 28, die mit einer Bühne ausgestattet wurde, zu­nächst Variete- Vorstellungen, in der die Künstler aller Länder ihr Bestes hergaben: Virtuosen auf allen Gebieten und aller Länder, gleichsam eine internationale Schau. Die Häftlinge spielten den ,, Biberpelz " von Gerhart Hauptmann unzählige Male vor vollbesetztem Hause und gleichfalls das humorvolle Stück ,, Der Maulkorb". Bühnenausstattung und Garderobe ließen nichts zu wünschen übrig, Aufführungen, die jeder Klein­kunstbühne alle Ehre machten, Selbst die von den Häftlingen gespielten Damenrollen wirkten überzeugend.

Den Häftlingen wurde gestattet, sich Musikinstrumente ins Lager schicken zu lassen; in kurzer Zeit hatte der als Poli­tischer inhaftierte Peter Adam, ein Obermusikmeister, eine 40

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