Wohltuend stachen die Ausländer und die Bibelforscher von jenen Egoisten ab; denn sie halfen stets.in wahrer Ka- meradschaft, und insbesondere sei hier der Norweger und Dänen edacht, die von den Rote-Kreuz-Paketen aus der nordischen eimat regelmäßig die hungernden Kameraden mitversorgten und zum größten Teil auf die ihnen zustehenden Lagerkost zu Gunsten der SK-Leute und der Russen verzichteten, denen von keiner Seite Sondergaben zuteil wurden.

Wie Sonnenschein und Regen einander ablösten, den vielen schlechten Tagen auch gelegentlich gute Stunden im Lager folgten, so versuchten auch die Kameraden allen Vorkomm- nissen nach Möglichkeit die guten Seiten abzugewinnen, und wenn es auch nur wenige Fettaugen waren, die auf der trüben Brühe des elenden Lagerlebens schwammen.

Es gab auch mal freudvolle Stunden, die man jedoch an den Fingern abzählen konnte. Neben den Witzen gab es doch Erlebnisse, die uns vergnügt zu stimmen vermochten, umso- mehr, wenn die Pointe auf Kosten der Nazis ging. Ein Bauer aus dem Hannöverschen, der sich dem Eintritt in diePartei widersetzte, kam wegen Verhöhnung desFührers ins KZ. Worin: sein frevelhaftes Tun gegen die geheiligte Person Adolf Hitlers bestand, hat er nachstehend launig und anschaulich erzählt:

Ja, als ich nun sagte, Ihr könnt machen, was Ihr wollt, ich tue, was ich will, ich gehe nicht in die Partei und auch nicht in die SA, und wenn Ihr mir den ‚Maskeradenanzug schenken wollt, mitsamt der Käseschachtel als Mütze; da haben sie mich aus der Genossenschaft rausgeschmissen, daß ich kein Saatkorn und künstlichen Dünger mehr bekomme. Und wenn das Saatkorn nichts unter die Füße kriegt, dann kommt auch nichts rein, wenn es auf Sandboden wächst, wie ich ihn habe. Als der Hafer überall gut stand. und gut aufgelaufen war, da war meine Haferkoppel an der Dorfstraße man sehr mau. Knapp einen Fuß hoch stand der Hafer; und dann war noch so viel Platz zwischen den einzelnen Halmen, daß man gut zwischen- durch gehen konnte. Da kam der Bauernführer und sagte mir, mir solle die Bauernfähigkeit abgesprochen werden. Ich hab nix gesagt und hab denn ein paar Tage danach einige Plankenbretter auf zwei Ständer angenagelt und auf der Koppel aufgestellt, daß jeder es sehen konnte und dann hat mein Sohn, der Maler ist, den Ausspruch von Hitler darauf gepinselt: Gib mir vier Jahre Zeit! Da hatte ich die Lacher alle auf meiner Seite, aber der Bauernführer war nicht mit von der Partie und zeigte mich bei der Gestapo an, die mich abholte und fragte, wer die vier Jahre Zeit haben sollte. Na, sagte ich: der Hafer, damit er in dieser Zeit statt einen Fuß vier Fuß hoch wächst. Das wäre Verächtlichmächung des Führers, meinte der Gestapomann, denn der Hafer wächst nur ein Jahr und keine vier Jahre hintereinander, das wüßte ich auch als Bauer. Als ich dann sagte, daß bei Hitler doch alles viel schneller ging und tausend Jahre doch bei ihm wären wie ein Tag, da kriegte mich der Gestapomann beim Arm und ich kam zur Stadt ins Gefängnis und nun bin ich hier im KZ.

181