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racken die Tagesereignisse durchgegangen und nötige Parolen herausgegeben, sowie Bekanntschaften mit den neuankommenden Gesinnungsfreunden angeknüpft, um den Kreis der politischen Widerstandsanhänger zu erweitern. Hier erhielten auch jene ihre politische Schulung, die im Kampf gegen den Nazismus untätig und uninteressiert abseits gestanden hatten und nunmehr erst durch ihre Verhaftung und KZ- Haft zu Mitkämpfern gegen die SS im Lager und das Regime überhaupt gewonnen wurden.
Ein neuer Zugang wurde im vertrauten Kreise eingeführt. Politische Freunde hatten ihn erkannt und legitimiert, so daß seine Persönlichkeit einwandfrei feststand. Alle Torturen während der Gestapohaft hatte er über sich ergehen lassen müssen; nichts war ihm erspart geblieben: Gefängnis, Zuchthaus , Moorarbeit in Esterwegen , Lichtenberg, verunglückter Fluchtversuch mit darauffolgender Bestrafung durch Pfahlhängen und fünfzig Stockhieben bei Überschnallen auf dem Bock. Anschließend ein halbes Jahr in der SK und darauf in den Steinbruch eines Vernichtungslagers. Er hatte es überstanden; denn der Lebenswille stärkte ihn und hielt ihn hoch; er wußte, daß er aushalten mußte, weil die Nazis nicht ewig regieren würden, und einmal wieder die Sonne der Freiheit über Deutschland und die unterjochten Länder scheinen müsse.
Als lebendes Skelett langte dieser politische Märtyrer in Sachsenhausen als einer von vielen an. Ihm mußte jetzt geholfen werden und ihm wurde geholfen. Einer der Kameraden reichte ihm den Rest seiner ,, Kuhle"( Tagesbrotration) und nach einigen Minuten hatten ihm weitere Kameraden Brot, Margarine und einen Schlag Essen gebracht, so daß er erklären konnte, nach vielen Jahren einmal wieder richtig satt geworden zu sein. Doch nicht genug damit, jetzt ging es Reih' um; täglich war ein anderer Kamerad mit seiner Zulage zur Stelle, und nach einigen Wochen hatte die kameradschaftliche Hilfe der Politischen aus dem Skelett wieder einen Menschen gemacht, der anerkennen mußte, daß der Geist im Lager ausgezeichnet sei und über die brutale Gewalt siegen müsse, selbst wenn der Zeitpunkt sich auch noch nicht errechnen ließ.
So war der Zusammenhang der Politischen im KZ im Gegensatz zu den Kriminellen und Berufsverbrechern, die sich nicht gegenseitig halfen, sondern zum größten Teil darauf bedacht waren, das Wenige, was der Ausgehungerte besaß, dem anderen noch zu stehlen, um ihn dann verrecken zu lassen. Was hast Du mir zu geben, dann kannst Du von mir Brot, Wurst und Butter bekommen!", war der Standpunkt des Kriminellen, der auch im Lager nicht verleugnete, daß er als Feind jeglicher Gesellschaftsordnung und jeder Staatsform nur auf Kosten seiner Mitmenschen, selbst der Hungernden im KZ sich behaupten wollte. Kaltblütig und charakterlos verrieten sie selbst eines geringen, oftmals nur versprochenen Vorteils willen ihre eigenen Kumpanen, nicht zu reden von den Fällen, wo sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen Politischen der SS auszuliefern geneigt waren.
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