Derartige Erzählungen machten Laune und zeigten, daß auch unter der Landbevölkerung Gegner der Nazis waren, die sogar mit einem satirischen Humor aufwarten konnten, den man dort kaum vermutete. Zwei andere Dörfler saßen in gemeinsamer Sache im KZ, der eine war Kaufmann und der andere Kassierer von der Dorfsparkasse, zwischen denen sich folgendes Gespräch abgespielt hatte, welches von einem Denunzianten zur Gestapo getragen wurde:
"
Wenn ich nun meine tausend Mark hier einzahle", sagte der Kaufmann, ,, wer garantiert dafür, daß ich sie wieder zurückbekomme?"
,, Dafür garantiert der Führer", versicherte der Kassierer. ,, Aber wenn der Führer mal stirbt, was dann?"
,, Und wenn der auch stirbt?"
,, Dann garantiert die Nazipartei für die Einlage".
,, Ja, ganz gut; aber wenn die Partei Pleite macht, was wird dann mit meinem Geld?" Worauf der Kassierer ihm zuflüsterte:
,, Sollte denn das keine tausend Mark wert sein?"
Nun warteten beide im KZ, bis die Nazipartei zum Teufel ging, wofür gern die tausend Mark draufgehen konnten und noch weitere Tausend dazu, die der Kassierer besonders opfern wollte, um den Denunzianten zu vertrimmen.
Von einem Schutzpolizisten, der in der Nähe von Goebbels Villa Posten gestanden hatte, erfuhr man gleichfalls Interessantes über die Gründe seiner Einlieferung ins KZ. Er hatte auf die Frage nach der Belegenheit der Reichsbräuteschule geantwortet: ,, Sie meinen wohl das Reichsbordell des Bocks von Babelsberg ?" Das war zu stark- Josef als den Bock von Babelsberg zu bezeichnen. Aber es war doch unterhaltsam, etwas Näheres über die Aufgaben der Reichsbräuteschule zu erfahren, die neben Goebbels Villa lag. Also dort wurden die Bräute der SS - Leute geschult", im Kaffeekochen, Reinmachen und abschließend in Kinderpflege. Den nächtlichen Unterricht in den Betten gab Josef persönlich. So der Bericht des Schutzpolizisten und nunmehrigen Häftlings.
es
Eines Tages kam Bewegung in die Reihen der Häftlinge; war der 22. Juni 1941. ,, Krieg gegen Rußland". Der ,, Führer" hatte wieder einmal rechtzeitig zugegriffen, wie er es bei allen Überfällen kund zu tun pflegte. Die Lautsprecher auf dem Appellplatz überschwemmten die Häftlinge mit Strömen von Siegesnachrichten. ,, Der Fall Leningrads in den nächsten Stunden zu erwarten!" So und ähnliche Schwätzereien wurden vom Nachrichtendienst des OKW durchgegeben. Die Tatsache, daß es nun zum unvermeidlichen Bruch mit der Sowjetunion kommen mußte, war also gegeben.
Bei den Politischen wurde nun eifrig diskutiert, wie sich die Dinge auf dem östlichen Kriegsschauplatz auswirken würden. Der Optimismus feierte unter den Häftlingen kleine Triumphe und vor allem rechnete man damit, daß durch den nunmehrigen Zweifrontenkrieg das Kriegsende beschleunigt würde. Bei einem Teil der Politischen wirkte der schnelle Vormarsch in Rußland
182
beunruh zuneigte handelte Die wegs m Bresche sich geg Schattie
hoffte n
liche Be
In
Zu
Schöle
weitere


