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Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
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,, Ich muß feststellen, daß wir alle Schweine sind. Krause hat Recht. Ich verlasse den Block nicht!"

,, So bleibe ich auch!" beschloß Bogdan.

Während der nächsten Minuten erörterte man die Lage und ver suchte einen befriedigenden Ausweg zu finden. Karcz, einer der an­wesenden, bis jetzt schweigenden Häftlinge, mischte sich nun in das Gespräch ein. Er war ein ehemaliger Führer einer polnischen Ref­terbrigade und wurde nach einem sechswöchigen Aufenthalt im Bunker von der örtlichen Gestapo der Strafkompanie überwiesen, woher man ihn später ebenfalls auf Block 7 gebracht hatte.

,, Entschuldigt, daß ich das Wort in einer Angelegenheit ergreife, die nur das Blockpersonal angeht. Aber langsam verliere auch ich die Fassung. Denn worum geht es euch allen eigentlich? Den hun­dert Kranken das Leben zu retten? Nein! Retten könnt ihr sie auf keinen Fall. Es geht euch nur darum, daß ihr zum Tode dieser Men­schen nicht beitragen wollt. Ja oder nein?"

Ein allgemeines Kopfnicken beantwortete seine Frage.

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Wenn ihr also die Todeskandidaten nicht wählen wollt, wenn ihr keinen Mut habt, am Morde der anderen Häftlinge mitbeteiligt zu sein, so habt doch wenigstens den Mut, dies eindeutig zu sagen. Ihr wollt ja an dieser Tat nicht teilnehmen und ich sehe auch keine Macht, die euch dazu zwingen könnte. Im schlimmsten Falle ver­liert ihr das Leben, aber wenigstens als Menschen und nicht als gemeine Mörder, wenn auch gezwungener Weise. Das ist doch ganz klar..."

Die Stille, die nun nach diesen Worten eintrat, dauerte ziemlich lange. Sie lastete schwer auf uns allen. Endlich nahm Piasecki das Wort:

,, Du hast recht, Janek. Das ist doch tatsächlich ganz einfach, was du da gesagt hast und müßte mir eigentlich gleich eingefallen sein. Man sieht, daß ich im Lager schon ganz das klare Denken verlernt habe. Ich danke dir!" Er reichte Karcz die Hand, welche. jener fest drückte. P

Die zwei Stunden, welche wir bis sechs Uhr noch zur Verfügung hatten, verbrachten wir im allgemeinen Gespräch. Dabei fiel kein Wort über das zur Frage stehende Thema. Einige Minuten vor sechs Uhr kam Dr. Zenkteller auf den Block.

,, Na, alles fertig?"

Piasecki schüttelte den Kopf.

,, Nein!"

..Wieso denn? Ihr solltet doch hundert Personen für die Spritzen auswählen."

Piasecki machte sich weiter an seiner Kartei zu schaffen. Was heißt ihr?"

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