Aber wie?"
Jetzt mischte sich Dr. Zenkteller in das Gespräch ein:
,, In Auschwitz hat man schon seit längerer Zeit ein Mittel, um Überfüllungen im Krankenbau zu verhindern", sagte er vielsagend. ,, Ich verstehe nicht."
,, Du wirst es abends verstehen. Gehen wir, Leo!" Sie kehrten um und verließen den Block. Nach einer Stunde kam ein Melder aus der Blockführerstube. Der Blockführer soll sofort zum Rapportführer!"
Da nun Viktor gerade abwesend war, machte sich der Schreiber Piasecki auf den Weg. Nach einer knappen Viertelstunde kehrte er mit einer finsteren Miene zurück.
,, Das soll der Teufel holen!" fluchte er schon auf der Schwelle. , Wißt ihr, was mir das Rindvieh gesagt hat?" Wir schauten ihn neugierig an.
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,, Also, wir sollen den Menschenüberschuß im Block auf eigene Faust beseitigen. Einen neuen Block erhalten wir nicht, die Zugänge werden weiterhin eintreffen, die Transporte sind allerdings eingestellt. Wenn es so weiter bis zum Ende der Woche geht, erreichen wir eine Anzahl von viertausend Kranken. Ich werde, verrückt."
,, Und was rät Zenkteller zu tun? Er muß sich doch um diese Angelegenheit kümmern?" bemerkte Dr. Krausé naiv.
Piasecki wurde rot vor Wut.
,, Zenkteller ist noch ein viel größeres Schwein, als alle anderen SS - Männer zusammengenommen. Er macht dumme Mienen und erwähnt stets die angeblichen Auschwitzer Gebräuche. Man wird sich wohl aufhängen müssen. Wieviel Tote gibt es denn heute?" fragte er den schweigenden Bogdan.
,, Bis jetzt ungefähr hundert Mann."
,, Ein Wahnsinn! Eben benachrichtigte mich der Rapportführer, daß ein neuer Zugang zu erwarten sei. Gestern fand in allen Auschwitzer Blocks eine Auswahl statt und wieder hat man uns über dreihundert Personen zugewiesen. Gebt doch einen Rat, was zu tun ist!" In diesem Augenblick kam Viktor. Er machte sich mit der Lage vertraut, dachte einen Augenblick nach und sagte:
,, Es gibt nur einen Ausweg: Ich gehe zu Leo und gebe ihm die Binde des Blockältesten ab. Ich habe keine Absicht, auf diesem Block verrückt zu werden, und viel fehlt nicht mehr dazu."
Wir gehen zusammen!" beschloß Piasecki.
Und ohne ein Wort mehr zu verlieren, verließen sie den Block. Bogdan sprach noch einige Worte mit Dr. Krause, riß die Mütze vom Kopf, warf sie auf den Boden und sagte:
,, Ich gehe mit ihnen. Ich denke nicht daran, in dieser Hölleallein zu bleiben."
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