Kameraden haben wir fünf Mann beschlossen, uns bei Moll zu melden und auszusagen, daß wir die Urheber der Flucht gewesen
seien..."
Die Reihen der Häftlinge verstummten.
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Dr. Jablonowski fuhr fort: Unserer Meinung nach ist das die einzige Möglichkeit, die Gesamtheit zu retten, wenn von einer Rettung überhaupt die Rede sein kann. Diejenigen Kameraden, die mit mir beschlossen haben, sich vor Moll anzuklagen, sind sich dessen voll bewußt, daß sie erschossen werden Ich sage das deshalb, damit ihr im Falle eines Gelingens unseres Planes euch keine Gewissensbisse mehr darüber macht, euer Leben auf unsere Kosten gerettet zu haben. Das wäre alles, was ich euch sagen wollte... Er nickte mit dem Kopfe und verschwand in der wogenden Menge.
, Alles geriet in Bewegung. Von allen Seiten drängte man zu Dr. Jablonowski, um, ihm die Hände zu drücken und zu danken. Eine Hoffnung bemächtigte sich der Herzen. Der Gesprächston wurde lebendiger, alle hatten das Gefühl, daß damit die ganze Angelegenbeit erledigt sein würde.
Der Blockälteste, dem man das Vorhaben der Häftlinge meldete, schüttelte wieder den Kopf. Das verstehe ich überhaupt nicht... sich freiwillig zum Totschießen melden... Das ist ja schön, aber ich hätte mich dazu nicht entschließen können." Trotzdem schien er innerlich ergriffen zu sein von dem Vorhaben dieser Menschen. Er verschwand im Block und erschien nach ein paar Augenblicken mit zwei Broten und Wurst.
,, Die fünf Männer, die sich bei Moll melden wollten, mal herkommen!" Sie drängten sich durch die Reihen zu ihm hin.
,, Hier hat jeder von euch ein halbes Brot und ein halbes Pfund Wurst. Aber ihr müßt das allein aufessen", fügte er streng hinzu..
Ungeachtet dieser Aufforderung wurden die Brote und die Wurst unter diejenigen verteilt, welche in der Nähe standen.
Gegen Mittag kehrte das Arbeitskommando von der Arbeit zurück. Auf einer alten Fuhre brachte man neunzehn Leichen gefahren, Leichen derjenigen Häftlinge, die während der Arbeit erledigt worden waren. Es stellte sich heraus, daß gleich nach dem Verlassen des Blocks Kommandoführer Moll mit dem Motorrad zum Königsgraben" gefahren war. Dort war bis zu seiner Ankunft alles ganz ruhig verlaufen.
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Die Kapos und Vorarbeiter waren damit beschäftigt, die gestrigen Ereignisse zu kommentieren und widmeten den arbeitenden Häftlingen keine besondere Aufmerksamkeit.
Sofort nach seiner Ankunft ließ Moll alle Funktionskräfte antreten und gleich darauf begann man mit der Arbeit". Im Laufe der nächsten Viertelstunde wurde fast die Hälfte der ganzen Gruppe
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