Druckschrift 
Mützen ab ... : eine Reportage aus der Strafkompanie des KZ. Auschwitz / Zenon Rozanski
Entstehung
Seite
62
Einzelbild herunterladen

als ein Pfiff das Ende der Mittagspause verkündete. Die Gruppen kehrten zur Arbeit zurück und ich nahm meinen Platz beim Zu­spitzen der Holzpflöcke wieder ein."

Erst jetzt konnte ich klare Gedanken fassen, alles Für und Wider abwägen und mich langsam von der Erregung erholen, die mich immer noch beherrschte. Der Plan war zweifellos gut und hatte so wie ihn Lachowicz vorsah, alle Aussichten zu gelingen.

-

Es war wirklich hoffnungslos, hier zu sitzen, und bei nüchterner Überlegung erschien es unsinnig, ständig auf das Glück zu bauen, das mich bisher während des Aufenthaltes im Lager nicht verlassen hatte. Jeden Tag, jede Stunde oder Minute konnte sich dieses Glück wenden. Eine Laune, irgendein Einfall oder einfach eine schlechte Stimmung eines Kapos oder SS - Mannes genügte, um meine Nummer aus der Kartei der lebenden Häftlinge zu streichen, wie man es schon bei Zehntausenden von Häftlingen getan hatte...

Hier wird sich alles schnell und endgültig entscheiden. Gelingt die Flucht, gewinne ich bestimmt das Leben. Gelingt sie nicht dann verliere ich es wenigstens in dem Bewußtsein, daß ich es beim weiteren Verbleib im Lager auch nicht behalten hätte...

Ich dachte ruhig, gefaßt und kaltblütig. Mit der rechten Hand spitzte ich die Holzpflöcke zu, so genau wie noch nie.

Bis zum Pfiff des Kommandoführers, der zugleich das allgemeine Signal zur Flucht bedeuten sollte, fehlten noch etwa drei Stunden. Hundertundachtzig Minuten! Ich mußte im Geiste über diese Rech­nung lächeln, da ich mich der ersten Monate im Lager erinnerte. Damals zählte ich nicht nach Monaten, sondern nach Tagen. Fünfzig Tage oder hundertundfünfzig, das klang schon ernster und ließ mich neue Hoffnung hegen. Wenn ich schon soviel Zeit hinter mir habe und lebe da wird sicher auch alles weiter gut gehen.

-

Und in der Tat ging es ja auch gar nicht schlecht. Man kann sogar sagen ,, herrlich", denn ich lebe ja noch...

Was wird aber in hundertundachtzig Minuten sein?

Jetzt sind es schon weniger... immer weniger. Meine Axt be­arbeitet das Holz lebhafter.

Gerade kommt Kommandoführer Moll aus der Bude heraus. Er stellt sich mit der Miene eines Herrschers auf die Anhöhe und beobachtet das Arbeitsgebiet. Nach einer Weile bemerkt er wohl, daß bei einer Gruppe irgend etwas nicht stimmt, denn er geht rasch auf sie zu. Kurz darauf höre ich Flüche...

,, Es ist interessant, was wohl Herr Moll nach nicht ganz drei Stunden für ein Gesicht machen wird", fährt es mir durch den Kopf. Mit Genugtuung hacke ich weiter.

2'

Also wie soll es nun geschehen?